Bis jetzt habe ich heute nur 2 Brezeln gegessen. 2 Brezeln mit Kürbiskernen, die allerdings mal locker 1/3 meines Tagesbedarfs decken. Zumindest an Kalorien. 2.000 bis 2.300 Kalorien pro Tag tun mir gut.

Kommt ganz drauf an, ob es ein fauler Tag am Schreibtisch oder ein körperlich anstrengender auf Tour ist. Mein fitbit zählt nicht nur meine Schritte, sondern rechnet, nachdem ich Alter, Größe und Gewicht eingegeben habe, auch aus, wie viel ich verbrauche.

Also nicht nur, wenn ich mich bewege und es Schritte zählen kann, sondern auch, wenn ich am Rechner sitze und meinen Blogbeitrag schreibe. Wie jetzt gerade. Ich muss eigentlich mal schauen, ob es meine Schreibbewegung als körperliche Aktivität wertet oder erkennt, dass ich nur auf die Tastatur hämmere.

Mein bester Freund hat seins mal beim Bassspielen getragen, plötzlich ging das Feuerwerk los, obwohl er den ganzen Tag im Studio saß und seine neuen Songs eingespielt hat. Ich will nicht behaupten, dass das nicht anstrengend ist, aber als Hochleistungssport würde ich es jetzt nicht durchgehen lassen.

Solange mein Magen durch die vielen Jahre des maßlosen Vollstopfens und grenzenlosen Überdehnens, noch nicht spürt, wann er eigentlich genug hat, hilft mir das Protokollieren schon sehr.

Ich versuche, es aber nicht als Kontrolle zu sehen, sondern eher als Sicherheit. Ebenso bin ich gerade dabei, mein Gefühl für einen drohenden Fressflash nicht mehr als Gefahr und Gegner zu sehen, sondern als Chance. Als Chance zu spüren, dass irgendwas in mir nicht stimmt.

Bin ich gestresst? Traurig? Einsam? Glücklich? Fühle ich mich ungerecht behandelt oder möchte ich mich belohnen? Welches Gefühl möchte das Essen gerade überdecken und vor allem warum? Das ist sowieso die Frage, warum habe ich überhaupt so eine Angst vor Gefühlen?

Liegt es wirklich nur daran, dass ich versuche, das krasse Gegenteil von meinem Vater zu sein? Egal, ob nüchtern oder betrunken, mein Vater konnte völlig unkontrolliert Gefühle zulassen und andere daran teilhaben lassen. War etwas traurig, hat er geweint. Ohne Scham, ohne Hemmungen.

Mein Dad war Gefühl – durch und durch. Als die Mauer fiel, die Bilder im Fernsehen kamen, wie Menschen über diese Grenze geklettert sind, sich in den Armen lagen und im Hintergrund Freiheit von Westernhagen gespielt wurde, hat er geweint und zu mir gesagt „Jana, da wird Geschichte geschrieben“. Und genau das habe ich an ihm bewundert.

Eure Jana,
die nun Pizza essen geht… und ich freu mich drauf

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4 Kommentare

  1. Liebe Jana,
    ich lese hier seit einer kurzen Weile immer mal mit und bin, obwohl wir uns ja gar nicht kennen, doch etwas in Sorge. Vor allem nach dem letzten Blogeintrag, wo du deine ersten Erfahrungen mit Psychotherapie geschildert hast und danach einen Fressflash/Fressattacke (? Bitte korrigier mich wenn das so nicht stimmt) bekommen hast.
    Ich habe in den letzten fünf Jahren als Sporttherapeutin in einer psychosomatischen Klinik gearbeitet. Viele unserer Patienten waren wegen Essstörungen da, sowohl anorektische, als auch adipöse Patienten.
    Uns stellte sich bei den adipösen Patienten oft die Frage: wozu dieses Schutzpolster? Das steckt meist hinter einem enormen Gewicht: ein Schutz, ein Panzer, eine Mauer? However, nennt es wie du willst. Mein Eindruck ist, dass du gerade die ersten Blicke über den Mauerrand wirfst. Und sofort Rückzug suchst und findest, wenn es bedrohlich wird (Therapie).
    Therapie= Bedrohlich und Fressattacke = Mauer aufbauen/Schutz
    Ich kann, will und darf mir ja gar nicht anmaßen hier zu urteilen oder psychologische Beratung zu geben, nein dass soll gar nicht sein. Meine persönliche Meinung ist nur, dass du versuchen solltest, in erster Linie ein Körpergefühl für dich zu entwickeln. Spüren, was da ist und was du brauchst. Jegliche Art der Kontrolle über Fitbit und was es alles gibt (bin da gar nicht up to date) hemmt dich eigentlich in deiner Wahrnehmung. Und das wird dauern, muss neu gelernt werden und ist auch tagesformabhängig! Sei nicht so streng mit dir wenn es schlechte Tage gibt. Is halt so.
    Ich wünsche dir zunächst einmal weiterhin allen Mut für die Therapie und alles erdenklich Gute! Es wird weh tun, aber es bringt dich zu dir und deinen Zielen.
    In diesem Sinne wünsche ich dir einen guten Jahresausklang und fröhliche Weihnachtsfeiertage.
    Liebe Grüße
    Katja Seifert

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