„Hallo, lieber Schmerz, ich bin wieder da.“ (Batomae)

Wenn ich überfordert bin, verfalle ich in alte Muster. Das war schon immer so und das war schon immer scheiße. Seit etwa 3 Wochen ist es wieder ganz besonders extrem. Meine Gefühle schwanken zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Noch mehr schwankt eigentlich nur die Zahl auf meiner Waage und es ist einfach nur zum Kotzen.

Je mehr ich mich mit dem Gedanken angefreundet habe, nun endlich eine Therapie zu beginnen, desto mehr habe ich aufgehört, Sport zu machen und stattdessen wieder angefangen maßlos zu essen. Nein, zu fressen. Mit dem festen Entschluss, professionelle Hilfe anzunehmen, habe ich aufgehört, mir selbst zu helfen. Ich habe mich zurück gelehnt und resigniert – ganz nach dem Motto „Ich bin am Ende, sollen es doch mal andere versuchen“. Aber nicht nur das.  Als kleines i-Tüpfechelchen schleichen sich Gedanken wie „Und leicht werde ich es ihnen nicht machen“ in meinen Kopf, während ich die nächste Packung Eis aufreiße. Fast so, als müsste ich mir ganz schnell noch eine dicke Schutzschicht anfressen, damit der Psychodoc erstmal `ne Weile graben muss, bis er dahin kommt, wo es weh tut. Ich habe Angst. Ich habe schreckliche Angst, was er finden wird, und ich habe Angst, dem nichts gewachsen zu sein.

Jetzt grade fühlt sich die Sucht wieder wie ein viel zu lieb gewonnener Freund an und meine Gedanken singen leise „Hallo lieber Schmerz, ich bin wieder da. Schütt’ doch noch mal nach, fühl’ mich schon wieder leer.“ Ich verlasse die Wohnung seit Tagen nur, um mir Nachschub zu kaufen und zähle ich die ungelesenen Nachrichten bei Mail, Facebook, WhatsApp, Instagram, komme ich inzwischen so auf die 3.000, vielleicht sogar inzwischen mehr. Das Schlimmste ist, dass ich ja genau weiß, dass es wundervoll liebevolle Nachrichten sind. Doch genau diese Liebe kann ich gerade nicht ertragen.

Schaue ich in den Spiegel, sehe ich eine aufgedunsene, aufgeblähte Fremde, mit ungewaschenen Haaren und einer Haut, die wirklich der Spiegel der Seele ist. Ich habe nicht mal Lust, mich zu pflegen… ich strafe meinen Körper gerade mit Verwahrlosung und schäme mich dafür.

Es gibt sie immer wieder. Es gibt immer wieder diese Momente, in denen mich etwas aus dem Psychofuck herausreißt. Wenn ich ein interview geben darf, was im Moment zum Glück nicht so selten ist, wenn ich meine  Lesung für unsere Tour vorbereite, was im Moment zum Glück sehr dringend ist, oder wenn mich mein bester Freund besucht, da nützt es auch nichts, wenn ich mich totstelle, sobald es an der Wohnungstür klingelt. Ein „Ich bin nicht hier“ zählte bei ihm noch nie.

Ja, in diesen Momenten stolpere ich für einen Moment zurück ins Leben. In einer Jeans, die wieder so eng sitzt, dass der Bauch oben rausquillt und einer Lieblingsregenjacke, die nicht mal mehr zu geht.

Das Schlimme ist, dass ich genau weiß, wie unglaublich gut es sich anfühlt, gesund und maßvoll zu essen. Wie schön es ist, mich abends ohne Schmerzen im Magen ins Bett zu kuscheln und mich nicht stundenlang hin und her zu wälzen, bis ich endlich eine Schlafposition gefunden habe, die erträglich ist. Und ich weiß auch, wie schnell sich meine Haut erholt und ich mein Gesicht nicht mit `ner Tonne MakeUp zukleistern muss. All` das weiß ich und trotzdem kann ich es nicht ändern.

Ich habe mich jetzt bei Kompass angemeldet, das ist so ein Netzwerk aus aus Fachärzten, Psychologen und Psychotherapeuten. Je mehr ich in diese alten Muster verfalle, desto mehr merke ich, dass es an der Zeit ist, mir professionelle Hilfe zu suchen. Wie sagt Bato immer zu mir? „Jana, Du bist es wert. – Jana, Du hast auch Hilfe verdient. Und mit `nem gebrochenen Bein gehst du Du doch schließlich auch zum Arzt.“

Ich humpel` dann mal los und bin Euch sehr, sehr dankbar, dass ihr mich auf meinem Weg begleitet und stützt, wenn ich nicht mehr kann.

Danke.

(Foto: Ben Wolf)

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22 Kommentare

  1. Liebe Jana,
    Ich hab keine Ahnung, ob es dich interessiert oder nicht, aber ich erzähle es dir trotzdem:
    Ich war mein Leben lang dick. Übergewichtig. Bis zur Adipositas permagna mit einem BMI von 42. Ich hatte sicherlich ein komplett falsches Essverhalten und ich hatte auch nicht die Bewegung, die man vielleicht haben sollte. Mein Körper kam sicher schnell an seine Grenzen, mein Kopf war gesund. Ich hatte ne Handvoll guter Freunde, war selbstbewusst genug um mich zu verteidigen und möchte behaupten, sogar relativ beliebt gewesen zu sein. Vor 8 Jahren habe ich beschlossen, abzunehmen. Nicht weil ich mich unwohl in der eigenen Haut fühlte (denn für mich war es okay so fettleibig zu sein – ich kannte schließlich nie etwas anderes), sondern weil ich mich schlicht und einfach mit 19 Jahren zum ersten Mal so richtig doll verliebt habe. Er war Kellner und ich kannte ihn gar nicht persönlich, aber er war sooo schön, dass mir eines so klar war wie noch nichts zuvor in meinem Leben: SO wie ICH aussehe, werde ich niemals eine Chance haben, ihn überhaupt kennenzulernen. Entscheidung gefasst, halbes Jahr später -50kg und „nur noch“ leicht übergewichtig. Hab trotzdem nen Korb bekommen, was aber egal war, denn es gab so viele schöne neue Dinge und Erfahrungen für mich, die ich nun machen durfte.
    In den darauffolgenden Jahren ähnelte mein Gewichtsverlauf einer EKG-Kurve. 25kg zugenommenen, 20 abgenommen. Ein „schlankes“ Jahr, ein „fettes“ Jahr. Letztes Jahr habe ich wieder 25kg abgenommen und mein niedrigstes Gewicht jemals (jenseits der Grundschule) erreicht. Aber ich habe auch gemerkt, welche Auswirkungen das Thema „Abnehmen/Gewicht“ auf mich und meine Stimmung haben. Ich will darauf gar nicht weiter eingehen. Am Anfang war es so, dass ich selber gedacht habe, mein Problem ist das Essen. Das IST auch mein Problem, aber was viel schlimmer ist, ist das, was das schlechte (katastrophale) Essverhalten mit meinem Kopf macht.
    Letzte Woche hatte ich meinen ersten Termin beim Psychiater. Die Ärztin hat mir direkt eine stationäre Therapie vorgeschlagen. Ich möchte es gerne machen, denn ich möchte gesund werden. „Normal“ werden. Aber ich habe Angst. Ich hab ne Scheißangst. Ich weiß nicht genau, wovor. Aber es fällt mir schwer, mich endgültig dafür zu entscheiden. Die Ärztin sagte, eine andere Möglichkeit wäre eine ambulante Therapie in einer Tagesklinik. Es verunsichert mich einfach alles so sehr! Auch die Tatsache, endlich zu akzeptieren, dass ich „krank“ bin. Ich habe immer das Gefühl, dass das niemand sonst verstehen kann. Es ist ja auch so schwer zu verstehen: wie willst du jemandem erklären, dass Essen – etwas lebensnotwendiges, was jeder Mensch tagtäglich mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit tut – dir so große Probleme bereitet, dass du an nichts anderes mehr denken kannst und dir so große Panik bereitet? Dass es dir Angst macht? Es ist zum Kotzen. Und ich wünsche dieses Scheißproblem keinem Menschen.
    Danke fürs Lesen.

    • Ich wünsche Dir, dass Du einen Weg findest. Und ich kann Dir sagen, dass sehr, sehr viel mehr Menschen unser Problem teilen, als wir manchmal glauben. Alles Gute für Dich und Danke für Deinen Offenheit und Deinen Mut, es zu niederzuschreiben.

    • Hi Jana,

      mir ging es immer ähnlich wie dir. Jetzt nach Schwangerschaft Nr. 2 hadere ich auch wieder mehr mit mir, aber das soll hier nicht Thema sein. Ich wollte dir nur zum Thema Therapie schreiben (hab ich auch schon hinter mir). Also: Wechsel die Perspektive! Hab keine Angst, freu dich drauf! Du kennst doch deine Probleme und nun besprichst du sie hält mal mit nem „professionellem Batomae“. 😉 Therapeuten denken anders und helfen mit Persoektivwechsel. Ein super einfaches Beispiel. Ich habe mich gehasst, habe mir an allem die Schuld gegeben und dachte immer, meine Therapeutin würde das genauso sehen. Bis sie eines Tages zu mir den simplen Satz sagte:“Ihre Eltern dürfen so nicht mit Ihnen umgehen!“ Ich hab geguckt wie ein Auto und dachte, sie veräppelt mich. Dieser Satz war irgendwie Basis für sehr viele Veränderungen, die dann folgten. Komische Tipps, aber ich meine sie Ernst: Genieße die Therapie, höre gut zu, sei offen und veränderungswillig und du wirst Erfolg haben. Es dauert, aber es wird. Ganz bestimmt! Du hast genau die richtige Basis dafür. Ich wünsche dir von ganzem Herzen ganz viel Erfolg! Dies war übrigens mein erster Kommentar auf einen Blog ever und wird bestimmt mein letzter sein, aber irgendwie war es mir wichtig. 🙂 Alles Gute!

  2. Hallo Jana,

    es stimmt mich traurig zu lesen, wie es Dir geht und ich hoffe, dass Du recht schnell wieder deinen Weg zurück findest. Denn es ist toll was du durch bewusste Ernährung und auch den Sport geschafft hast. Ich selber habe derzeit 3x in der Woche den Kampf mit mir mit meinem Selbstbewusstsein, meinem Mann und dem Schwimmbad. Ich weiss es tut mir so gut und immer wieder sehr ich in den Spiegel und kann dieses Bild darin nicht akzeptieren, der Kopf wieder im Gedenkenchaos, was andere doch denken mich so zu sehen. Auf der anderen Seite ich weiss es tut mir gut. Bin ich dann allein fühl mich unbeobachtet, dann muss ich mich bestrafen( essen tut dann einfach gut und beruhigt die Seele) aber will ich das, in diesem Moment schon. Fühl Dich gedrückt und stupschen aufs Näschen Gute Nacht 💭🌙

  3. Hallo Jana, ich habe mich noch nicht oft gemeldet, aber verfolge Deinen Blog und vor allem Deine Geschichte schon lange. Wenn Du an dem Punkt jetzt angekommen bist, wo Du merkst, dass Dich die Essstörung nur noch nervt und Du weißt, dass es eine schönere Lebensweise gibt, dann bist Du auf dem richtigen Weg. Es wird bestimmt nicht leicht und Du trägst sie schon so lange mit Dir herum, aber sie wird irgendwann nicht mehr Deine Freundin sein, sondern Deine Feindin, die dich davon abhält, Du selbst zu sein und Dein Leben zu leben. Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg!
    Übrigens: was mir sehr gut geholfen hat, war die Tanztherapie. Hat viele Türen geöffnet!

  4. Hi Jana.

    Ich lese seit geraumer Zeit deinen Blog und denke manchmal, dass wir Seelenverwandt sind.
    Meine Esstörungen begannen mit 13, also vor 25 Jahren (klingt nach Silberhochzeit). Angefangen mit Bulimie über Magersucht und geendet bin ich bei Binge Eating. Jeder Faser meines Körpers fühlt mit dir.
    Ich habe 6 Jahre Therapie hinter mir und manchmal weiss ich nicht, ob diese 6 Jahre Verschwendung waren. Aber…. Ich kann sagen, jede einzelne Sitzung, jede Träne und jeder Schmerz waren es irgendwie doch wert!
    Ich weiss, dass ich eine Krankheit habe, empfinde es nicht als Störung, welche mich für immer begleiten wird. Es gibt Tage bzw Monate da bin ich eine Kriegerin, die alles im Griff hat und dann gibt es die vielen dunklen Momente wo dieser Dämon wieder wächst.
    Hey Herzchen….wir sind stärker als dieser Dämon. Ja manchmal darf er wieder versuchen zu wachsen und uns versuchen in die Knie zu zwingen aber er wird es nicht schaffen!!! Schau dich an!!!! Du bist die Kämpferin, die sich halbiert hat, die den Mut hat der Welt zu zeigen wie Narben aussehen und die der Welt den täglichen Kampf zeigt. Sei mutig, jede Therapie lohnt sich!!!!!
    Danke, dass du der Welt unsere Erkrankung zeigst!

  5. Ich verstehe dich. Auch deine letzten drei Wochen. Mir ist Heute vor einer Woche etwas zugestossen, was körperlich und seelisch Spuren hinterlassen hat. Es warf mich komplett aus der Bahn, ich erkannte mich nicht mehr. Und was passierte? Da war diese Stimme. Sie hat mir gesagt, ich soll essen. Viel essen. Und mit einer quirligen 5jährigen im Haus reicht die Palette von supergesund bis Süsskram. Es war alles da. „Du bist leer, gönne dir was. Es ist in Ordnung, du b r a u c h s t das jetzt.“ In die Enge getrieben, habe ich mich an meine Freundin gewandt. Unverblümt: „Ich stopf mich gleich voll, ich kann mich nicht wehren!“ Und dann? Habe ich es gemerkt. Dass ich danach noch trauriger sein werde. Ich habe es ausgesessen, geweint, geflucht. Einmal mehr bin ich erschrocken, welcher Macht man ausgeliefert ist. Den Einfluss, den dieser Teufel auf der einen Schulter hat. Jana, ich konnte ihm die Stirn bieten – wie gut das tut! Aber: erst mit genügend Abstand. In der Situation drin fühlte ich mich, als hätte mir jemand was gestohlen. War wütend. Heute: Noch zwei Kilo bis zum Wunschgewicht. Für wen tut man das? Nur für sich selbst (oder eben gegen sich). Manchmal geht man den Weg alleine, gewisse Abschnitte geht jemand mit. Dein Mut ist grösser als die (auch wichtige) Angst, Jana. Immer einen Fuss vor den anderen 🌈

  6. Liebe Jana,

    ich weiß nicht ob es dir hilft,aber ich mag dir trotzdem da lassen das ich dich unwahrscheinlich verstehe.
    Zurückfallen in alte Muster ist manchmal wichtig so bescheuert es sich anhören mag,denn es zeigt uns immer wieder was wir nicht mehr wollen und gleichzeitig zeigt es uns auch,das etwas,auch wenn es sich nicht greifen lässt,gerade nicht stimmt.
    Diese Muster sind niemals ohne Grund in unsere Leben getreten und werden auch heute nicht,trotz all dem was wir wissen,nicht ohne grund aktiv.
    Und es ist ok,es ist sogar völlig ok wenn sie eine Weile bei uns sind,uns begleiten und ein wenig „helfen“ zu leben,manchmal sogar zu überleben.
    Und genauso wichtig ist es dann irgendwann ganz langsam wieder anzufangen heraus zu krabbeln,wieder ein Stück weit gut zu uns zu sein und das muss nicht im großen und gesamten passieren sondern darf ganz klein sein.
    Vielleicht ist es ein Haarewaschen,einen Tee ganz bewusst trinken und vielleicht sogar genießen…nach einem sich vollstopfen sich in eine warme decke zu wickeln und sich selbst nicht zu verteufeln.
    Und ja…all das ist so wahnsinnig schwer aber es darf sein.
    Manchmal sind all die fronten an denne wir kämpfen auch einfach zuviel…denn eines vergessen wir bei all dem immer und immer wieder,es sind kämpfe,schwere kämpfe und Pausen sind immens wichtig.
    Du machst und tust soviel und manchmal frage ich mich,wo machst du Pause?
    Wo lässt du all das auch mal sacken was sich da bei dir alles tut und wandelt?
    Und vor allem,auch du darfst schwach sein und du wirst dennoch gemocht und geliebt (da bin ich mir bei deinem besten Freund zumindest sehr sicher)!
    Die Angst vor der Therapie kann ich so sehr verstehen und dennoch…ich mag dich ermutigen dich nicht von ihr leiten zu lassen.
    Ich mache auch Therapie…schon lange und ich habe auch Angst,immer wieder auf´s neue…und dennoch tut es gut.
    Denn Angst ist ok,sie darf einem nur nicht alles weitere verbauen.
    Deswegen mag ich dich ermutigen dich diesem wunsch nach Therapie zu stellen…und ich mag dir sagen,ja es wird schwer,ja es wird angst machen,ja es wird rückschläge geben und ja es wird leichter werden…mit der Zeit und Stück für Stück und es wird sich lohnen!
    Immer wieder auf´s neue.
    Ich kenne dich nicht persönlich und dennoch du bist ein wertvoller und wunderbarer Mensch der sich auf die Reise ganz tief zu Dir selbst gemacht hat und das ist Stark!
    Und bei all dem,darfst du Dir helfen lassen…denn Hilfe suchen und annehmen ist ebenso Stark,genauso wie sich Schwäche zuzugestehen!
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Mut,viel Kraft und ganz viel Vertrauen zu Dir selbst.

    Von Herzen alles liebe,
    Kathi

  7. Kennst du das Buch „Brain over Binge“? Es hat mir enorm geholfen, weil es einen ganz anderen Ansatz hat als die typischen „du musst erst dein ganzes Leben in Ordnung bringen, bevor die Essstörung verschwinden kann“-Bücher.

    • Nein, kenne ich noch nicht. Wenn ich ehrlich bin, habe ich die Nase von Ratgeber Büchern etwas voll… Im Moment bekomme ich ständig welche zugeschickt und allein die Bücher triggern mich schon. Aber wenn ich wieder so weit sein sollte, dass ich mich darauf einlassen kann, werde ich daran denken, dass Du es mir empfohlen hast. Danke, Christiane.

  8. Hallo Jana,

    ich kann Dich echt gut verstehen, wenn mir auch immer noch die „andere Erfahrung“ mit maßvollem Essen und Sport fehlt. Es geht seit September wieder so, dass mein Körper sich eine fette Schicht Winterspeck anfuttern will. Leider fällt das Abnehmen im Winter dann aber immer wieder aus… Mein bester Freund hat sich erst gestern wieder lange Zeit genommen, mir meinen Kopf gerade zu rücken. Nach langer Zeit kam bei mir wieder die Frage auf, wieso so ein toller Mensch mit mir befreundet sein möchte, aber das ist er, er sieht mehr in mir, als ich je gesehen habe. Meine Waage staubt vor sich hin, ich habe Hosen, die genug sagen. Ich möchte mir endlich keine Gedanken ums Essen machen, „normal“ essen und kochen – aber der Weg ist noch sooo lang. Mir hatte eine Allgemeinmedizinerin in einer Tagesklinik in Berlin sehr geholfen – entgegen meinen Erfahrungen mit Psychotherapeuten, die angeblich auf Essstörungen spezialisiert waren. Ich habe klar gesagt, dass ich weiß, dass ein Problem mein Hauptproblem ist, aber ich es nicht angehen möchte, und das war OK, wir haben mit den Nebenbaustellen angefangen.
    Was Essen angeht, so bin ich eigentlich nur on Tour auf Rockkonzerten safe – Frühstück im Hotel, den ganzen Tag nichts bis etwas Obst, abends maßvoll Catering weil man ja noch arbeiten muss, danach ein Radler, ins Bett… Und alles in der Öffentlichkeit. Naja, morgen wieder ;o)

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und vielleicht musst Du in Dich hineinhören und Grenzen ziehen. Du kannst nicht alle Mails und Kommentare beantworten, das verlangt auch keiner. Du willst im Bett bleiben? Dann tue es, aber ohne Ablenkung… Ich glaube, im Moment wollen ganz viele Leute etwas von Dir, reibe Dich da nicht auf und pass auf Dich auf!
    Liebe Grüße
    Grit

  9. Ach Jana ich liege mal wieder wach und denke nach. Im Moment ist jeder Tag miserabel was das essen betrifft. Und dann die nächtlichen Attacken. Ich kann die nichg kontrolliere. Warum nicht ? Im Moment mach ich mir so Sorgen um meine Tochter. Bei ihr habe ich auch versagt. Auch sie hat ein gestörtes Essverhalten. Wie soll ich ihr beistehen wenn ich es bei mir nicht mal schaffe. Dann hab ich immer das Gefühl ich müsste perfekt sein. Aber das bin ich nicht. Ich bin ne Katastrophe. Für mein Kind meine Partnerin….aber sie will mich trotzdem nächstes Jahr heiraten….mich….ich bin doch gar nicht gut genug für sie. Im Dezember hab ich den Termin in Köln. 11 Tage vor eurem Konzert in Wuppertal . Ich habe Angst dort hinzufahren. Ich schäme mich weil ich immer und immer wieder versage…..auf dich bin ich stolz. Du hast schon soviel geschafft. Und du hast so eine tolle Austrahlung……

  10. Wir schaffen das zusammen Jana gemeinsam sind wir stark…..ich möchte es obwohl ich mich eher wir ein Versager fühle. Melde dich wenn was ist….ich höre dir zu.

  11. Liebe Jana, ich verstehe dich sehr gut! Mir geht es zur Zeit ähnlich, das alte Verhaltensmuster schlägt voll zu. Ich wache mit dem Gedanken an Essen auf und er ist der letzte vor dem einschlafen. Es gibt Momente da kann ich ihn kurz stoppen oder ich bin von außen abgelenkt genug. Doch sobald wieder etwas Ruhe einkehrt, ich allein bin, wenn auch nur ganz kurz, ist er wieder da und ich gebe dem Verlangen nach.
    Ich kämpfe diesen Kampf schon mein Leben lang, das es eine Essstörung ist weiß ich erst seit einem Jahr. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich wegen Depressionen in Therapie begeben. Anfangs stationär, Tagesklinik und jetzt weiter ambulant.
    Ich kann dir sagen, ich habe bis heute eine scheiß Angst vor jeder einzelnen Sitzung, trotzdem lohnt es sich. Meist gehe ich völlig erschöpft heraus, meist aber auch mit sehr wichtigen Erkenntnissen für mich und vorallem über mich.
    Dein letzter Post hat mich sehr berührt, mir ist klar geworden, ich fühle mich aktuell tatsächlich überfordert (habe mit einer Wiedereingliederung begonnen).
    Jetzt habe ich eine scheiß Angst vor der Konsequenz.
    Ich bin erst vor kurzen auf deinen Blog aufmerksam geworden, doch du machst mir vom ersten Moment an viel Mut, in jedem Post kann ich etwas von mir wieder finden. Diesmal gilt meine Bewunderung deinem Mut in aller Öffentlichkeit zuzugeben das du dich gerade überfordert fühlst, danke dafür, ich wünsche mir dies morgen bei meinem Therapeuten und Ärztin auch zu schaffen.
    Für dich alles Liebe, weiter viel Kraft und Mut!

    P.S. Ich bin ein neuer Fan von euch und freue mich auf eure Konzert-Lesung am 30.11. in Leipzig

  12. Jana wie geht’s dir inzwischen. Ich hoffe etwas besser. Ich versuche auch positiv in die Zukunft zu gucken und mich meiner Angst zu stellen. Du schaffst das auch. Mag dich echt super gerne. Da ist irgendwie was besonderes. Ich fühle mich dir sehr verbunden. Meld dich ruhig ich höre dir gerne zu.

  13. Huhu Jana‘
    manchmal muss es schlimmer werden bevor es besser wird.
    Diese Erfahrung habe ich mit all meinen Süchten gemacht, egal ob Drogen, Alkohol, Fressen oder das Rauchen. Sobald es nicht mehr ging, sobald ich dachte, so gehts ned weiter, ich mach jetzt was, hat sich die Sucht nochmal aufgebäumt und mir so richtig gezeigt, wie schlimm es um mich steht. Danach konnte ich Veränderung geschehen lassen. Manche Sucht musste sich mehrmals aufbäumen. Fressen, Hungern, Kotzen gehörte zu denen, die mir immer wieder gezeigt haben, dass sie sich noch nicht geschlagen gegeben haben, selbst wenn schon für Jahre Ruhe eingekehrt war. Bis heute. Sobald sich eine tiefere Schicht meiner Persönlichkeit offenbarte, klopften auch die Süchte wieder an und sagten, ohne mich nicht, und beim Essen ist es schwierig, zu kapitulieren, denn einfach stehen lassen bedeutet hungern. Essen ist nur ein Symptom, wie Alkohol auch, die Sucht sitzt im Denken, im Fühlen, in der Seele, und je weiter ich mener Genesung entgegengehe, desto perfider meldet sich die Sucht.
    Die gute Nachricht ist, ich lerne mich immer besser kennen, auch die Mechanismaen meiner Sucht, meines Egos, das nie genug hat, und je mehr ich mich wirklich kennen lerne, desto lieber mag ich mich, alles an mir, auch den Körper, vor allem den Körper, der mich so geduldig gegen mich selbst handeln ließ und lässt und sein bestes tut, mich so gesund wie möglich zu halten. Es lohnt sich, Jana, immer weiter zu gehen. Es lohnt sich, sich selbst immer näher zu kommen. Es ist den Preis wert. Gib nicht auf.
    Ganz viel Liebe und Kraft
    Piefke

  14. Hallo Jana,
    Ich kann mir ungefähr vorstellen, wie es sich für dich anfühlt, so zu leiden. Ich drücke dir ganz dolle die Daumen, dass du es schaffst. Ich glaube an dich!!

  15. Pingback: Ganz oder gar nicht - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

  16. ich finde dich sehr beeindruckend und nebenbei bemerkt bist du eine wunderschöne frau <3

  17. Pingback: Duplo-Finger - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

  18. Pingback: Es ist gut gegangen. Fast. - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

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