Gestern hab ich ja deutlich unter meinem Kalorien-Soll gelegen. Um gut abzunehmen, darf ich bei meiner Größe von 1,68cm und aktuell wieder 85kg an einem aktiven Tag 2.300 Kalorien essen. Gestern waren es bei mir am Ende des Tages nur 693 Kalorien. Ich hätte echt nicht gedacht, dass „zu wenig essen“ mal zu einem Problem wird.

Durch das viele Fressen und Hungern in den vergangenen Jahren, habe ich das Gefühl für „hungrig“ und „satt“ leider verloren, so dass ich hier nur langsam lerne, wieder auf mein Bauchgefühl zu hören.

In Mathe war ich schon immer `ne Niete, aber dass das gestern mal mehr als deutlich zu wenig war, konnte sogar ich ausrechnen. 5-10 % unter dem Tagesbedarf ist super, um gesund abzunehmen, mehr nicht. Also hatte ich ein schlechtes Gewissen und hab’ überlegt, ob ich die „nicht genutzten“ Kalorien mit in den nächsten Tag nehmen muss.

Also habe ich heute früh meine Ernährungsberaterin angerufen und einfach mal nachgefragt. Das ganz klare „Ja“ hat mich dann echt gewundert. Genau wie Kohlenhydrate nicht wissen, wie spät es ist, kann auch mein Körper nicht rechnen oder auf die Uhr gucken.

Natürlich ist es nicht schlau, sich alle Kalorien der Woche für einen gewaltigen Fressflash aufzusparen. Ok, es ist nicht nur nicht schlau, es ist völlig bescheuert, auch wenn das zugegebenermaßen mein 1. Gedanke war. Aber wenn ich zum Beispiel einen Tag etwas zu wenig gegessen habe, ist es völlig OK am nächsten etwas mehr zu essen. Und, ja, auch Pizza, Nudeln und Brot nach 18 Uhr sind absolut in Ordnung.

Mathe war doch immer mein Hassfach in der Schule, warum bin ich jetzt so verliebt in Zahlen, Analysen, Statistiken und Kalorientabellen? Mathematik ist ein Arschloch. Ich sollte einfach Schluss machen und so auf meinem Weg, endlich ich zu werden, einen großen Schritt Richtung Freiheit gehen. Vielleicht irgendwann sogar mit `nem Eis in der Hand.

Dass es so viel wichtigere Dinge als Kalorien gibt, ist mir heute schmerzlich bewusst geworden. Ich musste für einige Stunden schreckliche Angst um jemanden haben, der sich selbst total aus dem Blick verloren hat, weil er sich ständig und kompromisslos für andere aufopfert. Ich bin so unbeschreiblich dankbar, dass es gut ausgegangen ist, dass ich alles dafür geben würde, um diese Sorgen nie wieder haben zu müssen. An Kalorien darf man mal einen Tag sparen, an lieben Worten für die Menschen, die uns am Herzen liegen, nicht. ❤️

Eure – sehr erleichterte – Jana

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5 Kommentare

  1. Ach Jana, ich wünsch dir so sehr, dass du bald ein gesundes Gefühl für dein Essen finden kannst. Ich habe bei meiner Ernährungsumstellung auch gelernt, dass ein etwas schlechterer Tag durch einen guten ausgeglichen werden kann… der Schnitt muss stimmen… sogar ein oder zwei schlechte Wochen z. B. im Urlaub kann man durch Diziplin vor- und / oder nachher ausgleichen….bei mir ist leider oft die Disziplin das Problem, vor allem wenn ich Stress habe und mir nicht gebug Zeit zum Essen oder zur Zubereitung nehmen kann….Aber ich versuche dran zu bleiben 🙂
    Fühl dich gedrückt

  2. Ach Jana, es tut gut das zu lesen, und wir werden es schaffen besser mit dem Essen usw. umgehen zu können.
    Durch dich habe ich wieder neuen Schwung bekommen und ich denke es geht nicht nur mir so, sondern auch ganz vielen anderen Mädels/Frauen!
    Ich hoffe das ich es schaffe mehr Sport zu machen, damit hinke ich noch total hinterher.
    Hab dich echt ganz doll lieb Jana!
    Meine Ergotherapeutin hab ich heute davon erzählst, die fand das total klasse. Sie hat eine Gruppe da geht es auch um Gefühle/Essen usw. aufgrund meiner Erkrankung ( Borderline/PTBS/Depressionen) ich werde diese Gruppe auch demnächst machen! Hab ihr jetzt den Link von deinem Blog geschickt. Sie will ihn in der Gruppe auch weitergeben, vielleicht kommen ja noch welche nach WUppertal zum Konzert/Lesung!!

  3. Hallo Jana,

    Ich hoffe, Du kommst von dem Trip mit dem Zählen weg. Das Problem ist dabei, dass man den ganzen Tag an Essen denken „darf“. Egal was ich auch für Mist gemacht habe, ich habe mich immer geweigert, kcal zu lernen oder zu zählen. Was nicht heißt, dass ich im Supermarkt mal draufschaue und eine Portion = eine Packung überachlage und mit 500 ins Verhältnis setze. Während meiner Reha hatte ich nur zwei Ernährungsberatungsgespräche mit für mich krassen Aussagen: ich habe meinen Körper so durcheinandergebracht, dass ich nach zwei Jahren regelmäßige (gleiche Zeit, gleiche kcal pro Mahlzeit) drei Mahlzeiten pro Tag ans Abnehmen denken könnte, weil er dann erst umgelernt hat.
    So versuche ich jeden Tag zum ersten Tag der drei Jahre zu machen und eine Routine zu entwickeln. Und nach ein paar Monaten damit gibt es wieder hungrig und satt. Und ich merke, dass mir Hungern nicht gut tut, auch wenn das Gefühl dabei „gut“ ist. Gerade mache ich mir riesige Sorgen um einen Freund, weiß nicht ob und wie ich ihm helfen kann. Da ist Essen schwer und so schrecklich nebensächlich.

    Horche mal in Dich rein und schaue, was Du wirklich willst, und versuche das zu leben.

    Viele Grüße
    Grit

    • Da muss ich dir leider bei Pflichten dann bei diesem zählen kreist alles nur um das Essen die Essprobleme. Man muss einen anderen Weg finden. Für mich wäre das auch nix

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