Mich hatte noch nie jemand so gesehen und seit ich denken kann, habe ich für meinen Körper nichts als Abscheu und Ekel empfunden. Ich erinnere mich noch genau an Batos ungläubigen Blick, als ich ihm von meiner Video-Idee zu seinem Titelsong für mein Buch erzählt habe. Und ebenso an den Streit, der daraufhin zwischen uns losbrach. 

Heute weiß ich, dass er mich nur vor den bösen Hasskommentaren im Netz schützen wollte. Verletzenden Reaktionen wie dieser hier:

Trotz allen Anfeindungen und Beschimpfungen, bin ich sehr glücklich, dass wir das Video ganz genau so gedreht haben. Überlegten wir anfangs noch, mich von einer Schauspielerin halbnackt vor’m Spiegel, beim Fressen und anschließenden Übergeben spielen zu lassen, bin ich heute sehr froh, dass wir mich in diesen intimen Momenten gefilmt haben. Ohne dabei zu schauspielern.

Wir stellten es online und waren stolz, dass unsere Freunde es bei Facebook teilten und sich nicht dafür schämten, dass ich mich so zeigte. Die Zahl der Aufrufe kletterte zwar langsam, aber sie kletterte und wir freuten uns wie zwei kleine Schneekönige. Und das im Juli.

Doch als ich eines Morgens aufwachte, traute ich meinen Augen nicht. Ich dachte wirklich, ich würde träumen. Die Aufrufzahlen bei YouTube waren über Nacht förmlich explodiert. Als ich schlafen ging, waren es noch 3.000 – an diesem Morgen waren es über 150.000. Mein Postfach quoll über und ich hatte 23 Anrufe in Abwesenheit.

Jedes Mal, wenn ich wieder beim Video schaute, waren es Hunderte Aufrufe mehr. Ich stand von jetzt auf gleich senkrecht im Bett, mein Herz pochte wie wild und als ich Bato anrief, war ich so außer Atem, dass er dachte ich wäre grad Joggen. Aber nur für einen kurzen Moment, denn er kannte mich gut genug, dass er diese sportliche Aktivität direkt wieder ausschließen konnte.

Als wir sofort nachforschten, stieß ich auf einen Artikel bei gofeminin. „Dieses Video zeigt schonungslos ehrlich, welchen Kampf Frauen mit ihrer Figur führen“ und er wurde schon zu diesem Zeitpunkt bereits über 10.000 Mal geteilt.

Das Thema Essstörungen war in meinem Kopf so lange ein ein so großes Tabu, aber hier passierte etwas Unglaubliches. Es fühlte sich an, als würden Tausende Frauen gleichzeitig aufstehen und sagen „Nein, Essen ist eben nicht die einfachste und normalste Sache der Welt“.

Als Bato mich unterbrach, weil sich meine Stimme vor Begeisterung fast überschlug und ich eh keinen graden Satz mehr rausbrachte, sagte er nur: „Siehst Du, Jana, – Du bist nicht allein.“ Ich brach in Tränen aus und heulte wie ein Schlosshund und noch heute, wenn ich an diesen Morgen zurückdenke, habe ich eine Gänsehaut. Noch heute fühlt es sich an wie eine Umarmung, wenn unser Video irgendwo auftaucht. Dieser Morgen hat mein Leben verändert, hat mich verändert.

Ich danke Euch von Herzen für 300.000 Umarmungen.
Eure Jana

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