Ihr Lieben,
ich mag nicht mehr kämpfen. Ich mag mich nicht mehr selbst-optimieren und einem fremdbestimmten Ideal hinterher jagen.

Klar, wenn sich ein Leben allein um Sport & Ernährung drehen kann, dann ist es durchaus möglich, einen „Traumkörper“ zu formen und zu behalten. Aber ich habe keine Haushälterin, die für mich die Wohnung in Ordnung hält. Ich habe keinen Personal-Trainer, der mich täglich vor meiner Haustür erwartet. Und ich habe auch nicht genug Geld, um mir im Bioladen immer das gesündeste und abwechslungsreichste Essen zu kaufen.

Ich habe ein Leben neben dem Sport und der Ernährung. Ich habe eine Arbeit, die ich unbeschreiblich liebe. Wenn ich stundenlang über der Lesung für die unsere Tour brüte, sie mir wieder und wieder selbst vorlese, um zu schauen, wie ich meine Gedanken am besten mit Euch teilen kann. Ja, dann erfüllt mich das mit Glück.

Ich habe Freunde mit denen ich gerne Essen gehe. Am liebsten Thai oder Pizza, noch lieber sogar die Pizzabrötchen mit Aioli, die es vorweg gibt. Ich esse sicher nicht immer besonders gesund, aber ich kann wieder vor den Augen fremder Menschen essen und schäme mich nicht. Oder zumindest nur noch selten. Ich überlege vor allem nicht mehr, ob sie mich für die Kohlenhydrate nach 19:00 Uhr verurteilen, weil ich es inzwischen zum Glück besser weiß.

Diese ganzen Challenges, die mir im Netz begegnen, die mich zu Verzicht, Höchstleistungen und Selbstoptimierung anspornen sollen, machen mich inzwischen nur noch traurig. Muss denn heutzutage alles eine Herausforderung sein? Muss man sich immer selbst-optimieren? Kann man nicht einfach mal so sein wie man ist, ohne sich in einem ständigen Wettkampf mit dem Rest der Welt zu messen?

Ich habe einen Körper der von unzähligen Vergleichen gezeichnet ist. Von Vergleichen, denen ich nicht standhalten konnte, die mich dazu gebracht haben, mich mit noch mehr Essen selbst zu quälen. Schaut euch meinen Bauch an. Die hängende, schlaffe Haut, die tiefen Risse, die sogar schon eigene Schatten werfen. Eine richtige Kraterlandschaft.

Vor ein paar Wochen saß ich im Zug von Hagen nach Berlin und neben mir ein blondgelocktes Mädchen mit Bibi & Tina Pulli. Wir verstanden uns auf anhieb und sie war schwer beeindruckt, dass ich den Bibi & Tina Song drauf hatte. Wir sangen solange von Bibi und Tina, Amadeus und Sabrina, bis die kleine Maus, vielleicht 3 oder 4 Jahre alt, so erschöpft war, dass sie im Halbschlaf immer näher zu mir rückte.

Sarah kuschelte sich schließlich an mich und ich gestehe dass ich mich unheimlich verkrampft habe, als sie sich plötzlich nicht nur auf meinen Schoß, sondern genau an meinen Bauch schmiegte und mit ihrer kleinen Hand an dem Stoff meiner Bluse rumnestelte. „Du bist schön weich. Ganz kuschelig.“ waren ihre Worte, die mich fast zum Weinen brachten und sie selig entschlummern ließen.

Die Welt ist doch leider wirklich hart genug – vielleicht dürfen wir alle endlich einsehen, dass es doch ganz schön ist, wenn wir etwas weicher sind. Etwas weicher und kuschliger.

Eure Jana,
die sich grad so sehr wünschen würde, dieses Video nur ein einziges Mal durch Kinderaugen sehen zu können. Wir haben doch alle etwas, dass uns einzigartig macht, ich hab halt diese tiefen Narben der Vergangenheit.

#unvergleichlich Challenge

Ich muss etwas angenommen haben, um es loslassen zu können. ❤️ Und wer weiß, vielleicht starten wir einfach mal gemeinsam die #unvergleichlich Challenge“ und zeigen Instagram, wie gut es tut, niemanden außer uns selbst herauszufordern, dabei tief durchzuatmen, uns selbst anzunehmen und uns dann – in unserem ganz eigenen Tempo – zu verändern.

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5 Kommentare

  1. Jana, danke für diesen Beitrag. Du sprichst mir voll und ganz aus dem Herzen. Bin schon 62 Jahre und kenne diesen Kampf bestimmt schon seit 50 Jahren! Schön, dass es diesen Blog gibt und ich so vieles lese, was mich auch bewegt. Freu mich dich und Batomae in Dorsten erneut hören zu können. Ganz liebe Grüße!

  2. Wenn ich das solle lese kann ich dir nachempfinden. Es gibt wichtigeres als nur aufs essen achten usw. Das wird irgendwie genauso krankhaft wie das fressen. Bei mir war es als Jugendliche so das ich dann genau in die andere Richtung gerutscht bin nämlich nachher nix essen und Sport. Du hast soviel abgenommen du kannst so stllz sein. Du hast dich mehr als halbiert. Ab und zu kannst du fir auch was gönnen. Wichtig ist das du die Therapie machst um zu gucken woher diese Essstörung kommt. Ich hab gerade das gelesen von den Drogen und der fast Vergewaltigung. So unmöglich von deiner Klassenkamaradin. Das geht überhaupt nicht. Das ist neben deinem Vater bestimmt auch eine Ursache diese Mobberei etc. Kopf hoch süsse ich bin da. Und wenn du magst. Ich hatte Batomae meine Handy nummer geschickt. Wenn nicht ist auch okay. Freu mich so dich kennenzulernen. Bussi

  3. Liebe Jana….ich sage einfach mal danke…danke das es dich gibt…..du bist so eine tolle Frau….du hast soviel freude in dir die du auch nach aussen strahlst…..es ist toll immer wieder deine einträge zu lesen….danke fühl dich gedrückt bald sehen wir uns….

  4. Danke für dieses Video und deine Offenheit, ich habe vier Kinder auf die Welt gebracht. Ich habe in den letzten 6Jahren 30kg zugenommen.Ich liebe meine Kinder und ich liebe es wenn sie einfach so ohne irgendwelche Gedanken sich an meinen Bauch kuscheln…. man macht sich immer viel zu viel Gedanken darüber was andere denken. Manchmal sollte man die Welt durch Kinderaugen sehen.

  5. Pingback: Von Leitern & Glitzerstaub - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

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