An normalen Tagen tummeln sich hier so zwischen 3.000 und 4.500 Besucher. Der Beitrag „Du bist schön weich. Ganz kuschelig.“ von gestern ist da mit knapp 8.000 Lesern ganz schön rausgestochen und zuerst habe ich mich auch unheimlich gefreut. 

Dass ich nur 5 Minuten später ziemlich geknickt war, lag nicht daran, dass ich so langsam in meine Winterdepressions-Phase komme. Eure Nachrichten haben mich traurig gemacht. „Jana, ich würde so gerne mitmachen, aber ich schäme mich so“ oder „Ich würde so gerne auch ein Bild posten, aber meine Freunde würden mich auslachen. Ich will weiter dazu gehören“. Und das sind nur ein paar harmlose Beispiele.

Weiter dazu gehören? Angst, dass Freunde einen für Fehler auslachen? Oh ja, diese Gedanken kenne ich nur all’ zu gut und ich gebe zu, dass ich nur so mutig und ehrlich sein kann, weil es da einen besten Freund in meinem Leben gibt, der mir zeigt, dass ich zu ihm gehöre – mit Schwabbelbauch und Stresspickeln –  und er sich niemals für mich schämen würde. OK, wenn ich quietschend durch die 7. Etage bei Universal hüpfe, weil ich zu einem Robbie Williams Konzert eingeladen werde, schämt er sich schon. Aber nur kurz.

Wäre es nicht viel angenehmer, wenn wir uns mal entspannen könnten? Wenn die Bilder bei Instagram nicht einen Ich-bin-so-schrecklich-erholt-Filter drüber hätten? Wenn das Foto mal nicht die gemütliche Sofaecke, sondern das Chaos in der Küche zeigt? Wenn wir mal nicht den Bauch einziehen, die Zunge unter den Gaumen drücken und dabei mit großen Kulleraugen in die Kameralinse schauen, die uns von sehr, sehr schräg oben anschaut? Wäre das so ein Drama?

Eigentlich wissen wir ja auch, dass bei den anderen auch nicht alles so rosig ist, wie es auf den Bildern scheint. Und selbst wenn es allen um uns herum grad einfach nur bombe geht, könnten wir uns doch auch mit ihnen freuen. Oder wir können es lassen. Zum Beispiel, wenn sie `ne doofe Zicke ist, der wir nur folgen, um zu sehen, wann sie weniger postet oder auf alte Bilder zurückgreift, weil es eben grad mal nicht so läuft.

Yepp, es macht Spaß, Freunde über Instagram & Facebook am Leben teilhaben zu lassen. Wir wohnen nunmal nicht alle in einer Stadt. Ist doch spannend zu verfolgen, was die anderen so treiben. Am anderen Ende von Deutschland oder am anderen Ende der Welt.

Aber es tut doch niemandem weh, wenn wir uns so ehrlich zeigen, dass uns unsere Freunde, wenn sie uns endlich wieder live in die Arme schließen, noch erkennen. Und das, ohne auf eine Leiter zu steigen, und erst mal `nen halben Eimer „Glitzerstaub“ drüber zu kippen.

Fühlt Euch gedrückt,
Eure Jana, die sich nun mal den Glitzer aus den Haaren wäscht. 

Autor

4 Kommentare

  1. Ich finde das so schön wie du schreibst. Mit Glitzerstaub die Haare waschen. Ich hab mir auch nach langer Zeit mal wieder was für mich gekönnt. Erst zum Friseur und dann am WE die Haare gefärbt!
    Ich arbeite daran was zu verändern und möchte das andere daran teilhaben aber das kostet viel überwindung. Vielleicht über eine Facebook Seite. Ein Buch wollte ich schon lange schreiben aber ich habe mich nie getraut. Klar will ich meine Vergangenheit niederschreiben aber wer will das lesen!

    • Schreib es doch erst mal Dir von der Seele, so als würde es niemand zu lesen bekommen. ich hatte ja auch nie geplant, dass es ein Buch geben würde. ich mag Bücher nichtmal besonders. Allein das Schreiben hat schon sehr gut getan und Du machst es für Dich und nicht für andere. Änder doch erstmal was, geh‘ den 1. Schritt und ob andere daran teilhaben wollen oder nicht, steht auf einem ganz anderen Blatt und ist eigentlich auch egal. Denn auch das tust Du für Dich, du änderst Dich ja nicht für andere.

  2. Petra Plogmann Antworten

    Ich lese deine Blogs immer wieder mit Bewunderung. Wie du immer so die richtigen Worte findest und ich mich so oft in diesen Worten wiederfinde und fast jedes Mal so vor mich hinmurmele: Wie findet Jana nur immer wieder so passende Worte für das was sie gerade bewegt? Fast jedes Mal kullern mir einige Tränchen weil es endlich jemand gibt der nachvollziehen kann was auch in mir vorgehen muss. Vielen meiner Freunde … nein ich muss sagen die wenigen Freunde die ich noch habe … wissen glaube ich gar nicht wie es wirklich in mir aussieht, wie sehr mich mein Aussehen quält und ich alles darum geben würde daran endlich langfristig was zu ändern. Und die meisten, und unter anderem auch die Familie, verstehen nicht was daran so schwierig ist doch einfach nur weniger zu essen. Als ich erwähnt habe das ich dein Buch innerhalb von 2 Tagen „verschlungen“ habe und erzählt habe das du mir in sooo vielen Dingen aus der Seele sprichst und Dinge erlebt hast – z.B. die Alkoholkrankheit eines sehr nahstehenden Menschen – die ich auch durchgemacht habe und dann erzählt hab das ich Karten für eure Konzertkesung hab kam nur ein ungläubiges: Wieso willst du da denn noch hin? Du hast doch das Buch gelesen!
    Jana, wieso versteht uns keiner was wir durchmachen und in was für einem Teufelskreis wir uns befinden??? 😢😢
    Ich mag auch keine Fotos von mir sehen und denke immer hoffentlich sieht mich keiner wie ich wirklich aussehe!! Demnächst stehen zwei große Familienfeiern wo ich bei der einen Feier wahrscheinlich seeehr viele Menschen aus meiner Schulzeit sehen werde und mir graut es jetzt schon davor das die mich so sehen werden!! Ich habe bislang immer versucht dem aus dem Weg zu gehen weil ich mich so unendlich schäme das ich es soweit hab kommen lassen!!! Und ich habe unendlich Angst vor dieser Situation so dass ich mir jetzt schon überlege welche Ausrede ich gelten lassen kann dieser Situation aus dem Weg zu gehen!
    Auch deshalb gibt es von mir kaum Fotos auf FB und wenn dann eher unfreiwillig weil ich es kaum ertragen kann mich so zu sehen … 😢😢

    • Hm, ich würde eher sagen, dass uns sehr viel mehr Menschen verstehen als wir denken. Vermutlich verstehen uns sogar noch viel mehr Menschen als wir überhaupt bemerken. Geh zu der Feier und hab einen schönen Abend und wenn das Foto gemacht wird, siehst Du es als Momentaufnahme und wenn du es dann in 10 Jahren zur Hand nimmst, bist Du froh, dass Du es hast, denn dann bist Du schon viel weiter. Ich habe die Nacktbilder auch gemacht, um mich anzunehmen, um dann loszulassen.

Schreibe einen Kommentar