Ich weiß echt nicht, warum ich mir das all die Jahre immer und immer wieder angetan habe. 

„Ich lege zwei Badekugeln in das einlaufende Wasser und stelle mir Teelichter auf die Fensterbank. Ich freue mich schon auf das warme Wasser, außerdem muss ich mich dann nicht noch länger in dem großen Standspiegel sehen.

In meinen breiten Oberschenkeln sind tiefe Dellen, die sogar schon eigene Schatten werfen, eine richtige Kraterlandschaft. Mein Bauch ist schwabbelig und hängt so sehr, dass er auf die Oberschenkel stößt. Ich hebe ihn an und lasse ihn fallen. Mit einem Klatschen prallt er auf. Ein widerliches Geräusch.

Ich hebe meine Arme an und wack’le so hin und her, dass das Fett schlackert. Da sind echt überhaupt keine Muskeln. Meine Haut ist durch das schnelle ab- und wieder zunehmen grauenvoll ausgeleiert, überall sind Dehnungsstreifen. Besonders an den Brüsten.

Ich hab mal in einer Modezeitschrift gelesen, dass man von einem Hängebusen spricht, wenn man einen dünnen Bleistift drunter klemmen kann. Hm. Wie nennt man ihn, wenn problemlos ein dicker Edding hält?

Egal, ich schalte das helle Deckenlicht aus, und das warme Licht der Kerzen erfüllt den Raum. Gleich fühle ich mich wohler. Jetzt schnell in die Wanne und Schaum drüber. Was ich nicht sehe, das ist auch nicht da.“ ( Aus Jana Crämer „Das Mädchen aus der 1. Reihe“)

Hier in Berlin habe ich keinen großen Ganzkörperspiegel mehr. Also zumindest nicht im Bad. Keinen, der mir jedes Mal aufs Neue vor Augen führt, was ich eh nicht ändern kann. Also ändern schon, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Die schwabbelige Haut und tiefen Rissen bleiben. – Vielleicht ein Leben lang’.

Baden gehe ich trotzdem unheimlich gerne und am liebsten mit leckerem Duft. Wenn ich schon kein Spekulatius essen kann, ohne einen Fressflash zu bekommen, dann darf es doch wenigstens danach duften.

Ich genieße es, wenn es im warmen Wasser mit dem cremigen Schaum und schummrigen Kerzenlicht richtig gemütlich ist, und neige dazu, so lang’ im Wasser zu bleiben, bis ich Duplo-Finger habe. Kennt ihr das? Wenn die Finger so schrumpelig sind, dass in den Kuppen ganz tiefe Rillen sind. Wie beim Duplo halt. Nur nervig, dass beim IPhone der Fingerabruck nicht mehr zum Entsperren erkannt wird. Und ihr kennt das, genau dann ruft der beste Freund zurück.

Aber so sehr ich es liebe zu baden, so sehr hasse ich das Eincremen hinterher. Nicht nur, dass ich dann die Hautlappen viel zu genau spüre und mir wieder schmerzlich bewusst wird wie unförmig und wabbelig mein ganzer Körper ist. Hinzu kommt, dass ich jedes Mal fast `ne halbe Flasche Bodylotion brauche.  Klar, mehr Körperoberfläche braucht mehr Lotion.

Auf dem Etikett ist angegeben, dass die Flasche für 12 Anwendungen reichen soll. Yepp, das mag vielleicht bei Size Zero stimmen. Wenn überhaupt. Ich kaufe also immer reichlich, besonders, wenn’s im Angebot ist.  Ich warte echt nur auf den Tag, an dem mich die nette Kassiererin beim DM freundlich darauf hinweist, dass die Waren nur in Haushaltsüblichen Mengen abgegeben werden dürfen. Und würde jemand meinen Koffer für die ab November anstehende Tour öffnen, würde er mich wohl tatsächlich für `ne Body-Lotion-Vertreterin halten.

Eure Jana,
die ihre Lust auf ein Duplo nun mit einem Spekulatius-Bad austrickst. Kompensation ist alles.

Credit: „Gut, dass Du Sitzfleisch hast.“ –  Ben Wolf

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1 Kommentar

  1. Ach Jana deine Beiträge bringen mich immer zum Schmunzeln aber dann auch zum Nachdenken. Zum Thema Edding , alles schwabbelt Risse und Furche kann ich dir nur beipflichten. Einfach furchtbar. Ich mag überhaupt nicht in den Spiegel gucken. Gerade war ich beim Rehasport und überall Spiegel! Einfach schrecklich! Und ich war die fetteste und konnte nicht mal das Gleichgewicht halten. Aber ich muß was tun. Mit dem Duplo ich könnte.Nur grinsen auch mit deinem Austricksen mit dem Badezusatz. Ich gehe gar nicht in die Wanne weil es mich frustriert das ich nicht reinpasse. Oder nicht wieder rauskomme 👎

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