Auf Tour habe zwei Gesichter und das nicht nur, weil ich Sternzeichen Zwilling bin. Ab dem Aufstehen bis kurz vor dem Auftritt bin ich zerknautscht, mit roten Flecken, Pickelchen hier und da, verzupften Augenbrauen…

Selbst der „Sternstaub“- Filter bei meinen Insta-stories kann da meist nicht mehr so viel retten, aber es stimmt schon, wer morgens zerknautscht ist, hat tagsüber einfach die besten Entfaltungsmöglichkeiten.

Über den Tag helfe ich den Jungs beim Reinschleppen, baue unseren Merch auf, schreibe für meinen Blog, gebe Interviews und komme nicht dazu, mich für den Auftritt fertig zu machen. Weil es mir auch einfach nicht so unfassbar wichtig ist. Zumindest nicht so wichtig wie die anderen Dinge.

Kurz vorher, meist erst dann, wenn der Einlass schon längst begonnen hat, schnappe ich mir dann aber doch  meinen Mädchenkram und verschwinde auf die Toilette.

„Wow, das war eher ein Wellnessbereich. Der Boden aus dunklem Marmor, die Wände aus hellem Sandstein, in der Mitte ein großer, rechteckiger Waschtisch aus dunklem Holz mit zwölf Wasserhähnen aus Messing, sechs auf der einen Seite, sechs gegenüberliegend auf der anderen. Daneben schwarze und beige kleine Handtücher, sauber und ordentlich gestapelt. Der Raum war in warmes Licht getaucht, und es roch angenehm frisch durch diese kleinen Rituals-Duftgläser mit den Holzstäbchen, die auf einer kleinen Anrichte vor der Spiegelwand aufgebaut waren.

Ich stand mitten im Raum, als plötzlich eine Kabinentür aufging und mir der attraktive Sänger gegenüberstand. Er war gerade dabei, sich die Hose zuzuknöpfen, als er mich bemerkte. Während er mich von oben bis unten musterte, spielte ein verdutztes Schmunzeln um seine Mundwinkel. Er legte den Kopf schief, zog eine Augenbraue nach oben und sagte amüsiert: „Na, du hast dich aber in der Tür geirrt!“ Bei diesen Worten erreichte das Lächeln nun auch seine stahlblauen Augen. Ich war wie versteinert und starrte ihn einfach nur an.

In diesem Moment öffnete sich eine weitere Toilettentür und eine von den großen Frauen trat heraus. Große Frau? Von wegen! Geschminkt, mit bunten Extensions, in Frauenklamotten und High Heels, aber doch definitiv ein Mann. Oh Gott, ich wäre am liebsten im Erdboden versunken, was für eine unglaublich peinliche Situation. Ich lief tiefrot an und konnte nur noch ein „Tut mir leid. Entschuldigung!“ stammeln, bevor ich mich umdrehte, um schnell das Weite zu suchen.

Ich zog an der Tür, aber nichts rührte sich. Konnte sich nicht bitte sofort die Erde vor mir auftun? So eine Blamage, das konnte ja nur mir passieren. Ich zog fester und fester, als der Sänger plötzlich dicht neben mir stand. Sein unverschämt verführerischer Duft stieg mir in die Nase, als er mit einem Mal seine Hand auf meine legte. Es durchzuckte mich wie ein Stromschlag und mein einziger Gedanke war, dass er hoffentlich nicht merkte, wie schwitzig meine Hände waren. Er drückte die Tür auf und sagte leise: „Siehst du, so geht‘s einfacher.“

Seine Stimme klang freundlich, irgendwie belustigt, was natürlich kein Wunder war, denn ich machte mich hier gerade echt zum Vollhorst. Dass ich beim Rausstürmen nicht noch auf allen vieren landete, war ein Wunder. Oh Mann, wäre ich doch einfach cooler gewesen, aber nein, ich legte hier so einen peinlichen Abgang hin.“

( – Aus meinem Roman „Das Mädchen aus der 1. Reihe“ )

Und so peinlich es damals auch war, wäre ich nicht ins falsche Klo gestolpert, würde ich mich heute bestimmt nicht auf der Damentoiletten für meinen Auftritt als Support von Bato schminken. Dieser Moment hat mein ganzes Leben verändert und so freu’ ich mich heute über die verdutzen Gesichter, wenn die Mädels etwas irritiert schauen und denken, sie hätten sich in der Tür geirrt. 

Ich würde aber auch nicht schlecht gucken, wenn da jemand inmitten seines ausgebreiteten Schminkrams steht, dicht vor den Spiegel gebeugt und dabei Grimassen zieht. Keine Ahnung warum, aber wenn ich mir die Wimpern tusche, sieht das immer ziemlich strange aus, wie ich dabei meinen Mund verziehe.  Bis jetzt ist aber zum Glück noch niemand direkt wieder hinausgestürmt…

Eure Jana

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