Oh je, wie sehr ich mich davor fürchte, dass mir der Psychologe morgen um 15:00 Uhr genau diese Frage stellen wird. Ich weiß, dass er sie stellen muss, wenn er herausfinden will, welche Therapieform für mich die richtige ist, aber eine Antwort auf die Frage, was genau mein Problem ist, werde ich ihm nicht geben können. 

Besonders die letzten Tage, rund um unseren Tourstart, haben mir mal wieder gezeigt, dass es eigentlich gar kein Problem gibt. Zumindest keins von außen. – Von außen betrachtet ist mein Leben wirklich der reinste Ponyhof.

Ich darf mit meinem besten Freund quer durchs Land fahren und über das Thema sprechen, das mir auf der Seele brennt. Ich darf meine Geschichte erzählen, meinen Gefühlen Luft machen und die Dinge aussprechen, die ich früher nur in mich hineingefressen habe. Völlig ohne Angst, ohne Scham und ohne dafür verurteilt oder ausgelacht zu werden.

Ich habe 90 Kilo abgenommen, mich genau genommen einmal halbiert, und habe gelernt, dass es völlig OK ist, Pizza zu essen. Yepp, sogar nach 20:00 Uhr und ohne schlechtes Gewissen. Ich habe gelernt, wie ich meinen Tagesbedarf an Kalorien ausrechne und ich weiß, dass hungern, fressen und kotzen überhaupt nicht sein muss. Und zumindest an den guten Tagen spüre ich das sogar und setze es in die Tat um.

Ich habe in der letzten Woche sogar etwas geschafft, was seit Ewigkeiten völlig undenkbar für mich war. Ich habe Süßigkeiten gegessen und ist nicht in einem Fressflash ausgeartet. Ich habe wirklich einen Riegel Weiße Zimt Crisp und am Tag drauf sogar einen Lebkuchen gegessen. Nicht nur gegessen, sondern wirklich geschmeckt und genossen.

Ich habe eine Mama, die mich vermisst, die mich liebt und schon glücklich ist, wenn ich ihr zwischendurch mal einen Smily schicke. Einfach, dass sie ein kleines Lebenszeichen bekommt. Ich werde bedingungslos geliebt und jeder in meinem Umfeld gibt mir das Gefühl, ein besonderer Mensch zu sein. Jemand, den man gerne um sich hat.

Und genau hier liegt das Problem. Denke ich an die letzten Tage zurück, war ich so ziemlich der letzte Mensch, den ich gerne um mich gehabt hätte. Ich war so launisch, dass ich mich selbst kaum ertragen konnte, ja, ich habe mich selbst so unfassbar genervt, dass ich manchmal einfach nur noch den Kopf schütteln konnte.

Ich kann mir nicht erklären, woher dieser innere Druck kommt. Aber ich habe in den vergangenen Tagen jedes Ventil genutzt, um ihn abzulassen: Viel zu viel Essen, völlig unnötige Diskussionen mit meinem besten Freund und verletzende WhatsApp an meine Mama.

Auf die Frage, ob ich genug Unterstützung durch Experten und durch meine Freunde und Familie erhalte, werde ich also antworten, dass ich ein mit unvorstellbar lieben Menschen gesegneter Mensch bin.

Und auf die Frage, was genau mein Problem ist, wohl einfach nur: „Ich. Ich bin mein Problem. Ich ganz allein.“ und dann werde ich meinem schon gepackten Koffer nehmen, mich in die Tram setzen, Richtung Hauptbahnhof fahren, in den Zug nach Paderborn steigen, meinen besten Freund umarmen und mit ihm in einen neuen Tourblock starten.

Und eins nehme ich mir ganz fest vor: Ich werde die Jana sein, die man gerne um sich hat. Die Jana, die sich immer wieder bewusst macht, dass ihr Leben ganz schön großartig ist.. Und wenn ich dann vor seiner Bühne stehe und mit Euch ins Leben tauche, werde ich mir jede einzelne Zeile dieses Songs zu Herzen nehmen…

Eure Jana,
die noch nicht so ganz versteht, warum sie morgen ein Kinderfoto mitbringen soll. Ich bin auf jeden Fall gespannt und werde Euch berichten.

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5 Kommentare

  1. Liebe Jana, ich wünsche dir, dass es morgen gut wird. Gut …also für dich… dass du dich wohl fühlst dabei…das du das Gefühl bekommst, es könnte klappen…. es könnte was werden….dass du dir selbst bald genug bist….du bist liebenswert und in keinster Weise ein Problem :-*
    Ich freue mich, dass wir uns nächste Woche in Leipzig und in Paderborn sehen 🙂

  2. Hallo Jana , morgen wirst du es selber erfahren und ich weiß auch wie du dich fühlst, denn den ganz den du morgen machst, habe ich bereits vor vielen Jahren gemacht und ich kann dir sagen, mir ist es nicht anders gegangen. Ich war ja nun zwei mal in der Lesung dabei und mich würde es nicht wundern, wenn es in Richtung tiefenpsychologie geht, was denk ich auch sehr wichtig wäre, denn dein Problem liege nicht im hier und jetzt, sondern viel tiefer, ich drück dich und alles gute für morgen Shakka du schaffst das 🍀

  3. Ich werde ganz feste an dich denken. Du schaffst das Jana .
    Und dieser Innere Druck. Dieses Gefühl kenne ich leider zu gut. Aber du lernst damit um zu gehen.
    Setzt dich selber nicht zu sehr unter Druck😙
    Du bist so eine tolle Frau
    Deine Tanja

  4. Ich kenne diesen merkwürdigen Konflikt auch so gut und verstehe mich so oft selbst nicht und hasse mich 3 Stunden später für *diese* Dinge, mit denen man sich schadet und die einfach so passieren.. Während der eigene Verstand wahrscheinlich gerad in irgendeine andere Sphäre katapultiert wurde, der einem normalerweise sagen sollte: „Stopp. Was tust du gerade? Warum? Es gibt keinen Grund dafür, so viele Kalorien in dich zu stopfen.“ Mein Leben ist nicht perfekt, es ist aber inzwischen wieder ganz ok. Auch wenn ich gerad meinen besten Freund aus einem schier dussligen Grund „verloren“ habe. Aber das ist ein anderes Thema. Ich verfolge deinen Blog die ganze Zeit und wünsche dir nach Tiefs wie diesem einfach nur genug Sonne und Wärme in diesen kalten Tagen, die dich wieder aufbauen. :-* Und ich denke, die Tour ist z. B. genau diese Form von Sonne und Wärme. Es ist so mutig von dir, wie du mit deinem Schicksal umgehst und so vieles mit uns teilst. Gerad auch die kleinen Tiefs. Aber ich bin mir sicher, dass du auch die überwinden wirst. Es ist ein riesiger Schritt, professionelle Hilfe zuzulassen. Auch dieses Gefühl kenne ich so gut. Aber wir müssen die Hilfe einfach annehmen. Dann wird das. 😉 Sei ganz fest umarmt und ich denk morgen an dich!!!

  5. Liebe Jana… Eine Therapie zu machen,bzw sich einzugestehen das man Hilfe braucht,ist ein so unglaublich schwerer Schritt. Ich weiß was in dir vor geht…unsicher was auf dich zu kommt…!
    Es ist beängstigend sich darauf ein zu lassen das eine fremde Person in deinem tiefsten Inneren nach Problemen sucht…und was sie vielleicht findet! Ich war der Meinung ,das es schon einen Grund gäbe das ich diese Probleme vergraben und verdrängt hatte.
    Doch wenn das Fundament wackelt…!
    Glaub mir ..du bist auf dem richtigen Weg!
    Glg Lilly

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