„Iss nach Gefühl“, „Iss intuitiv“, „Iss, wonach Dir ist“ und on top der gutgemeinte Zusatz „Iss bewusst und fühl’ Dich gut dabei.“ Ganz ehrlich? Fick Dich!

In den unzähligen Jahren, in denen ich mich mit Fressen und Hungern gequält habe, habe ich mein Bauchgefühl so sehr mit Füßen getreten, dass es wohl einige Zeit dauern wird, bis es sich wieder Gehör verschafft.

Aber es gibt sie schon, diese Tage, an denen es ganz vorsichtig aufzeigt, um sich zumindest leise zu Wort zu melden. Und wenn ich ehrlich bin, könnte ich genauer hinhören und hinfühlen, denn ich nehme es ja durchaus wahr.

Was mache ich? Ich strafe mein Bauchgefühl mit Nichtachtung und wenn es dann doch mal so mutig ist, etwas vehementer auf sich aufmerksam zu machen, hole ich den Baseballschläger raus und prügle es zu Boden, bis es nur noch ganz leise wimmert.

Dann habe ich wieder für ein paar Tage Ruhe. Ruhe vor den Gedanken, dass es doch eigentlich ganz leicht ist, sich gesund zu ernähren, dass es doch super easy ist, seinen Tag mit 2.300 Kalorien lecker zu gestalten und dabei wirklich gut abzunehmen. Ja,  dass ich echt locker schon zehn Schritte weiter sein könnte, wenn ich sie einfach nur gehen würde.

Natürlich fühlt es sich ganz besonders auf unserer „In Gedanken“ – Tour scheiße an, wenn die Klamotten so spack sitzen. Natürlich wäre es angenehmer, mich vor Euch auf die Bühne zu setzen, wenn sich der Bauch nicht deutlich sichtbar mit zwei schwabbeligen Rollen über dem Hosenbund abzeichnen würde. Und natürlich wäre es gesünder, nachts ruhig zu schlafen, statt sich mit einem widerlichen Völlegefühl Stunde um Stunde im Bett zu wälzen.

Das sagt mir mein Bauchgefühl und mein gesunder Menschenverstand. Yepp, und meine Ernährungsberaterin und allen voran mein bester Freund. Aber ich höre, warum auch immer, gerade mal wieder nicht hin. Ich setze mich stattdessen in mein selbstgeschaufeltes Jammertal, stecke die Finger in die Ohren und singe ganz laut „La la la“, während ich mir das nächste Stück Schokolade in den Mund schiebe.

Zum Glück schließe ich mich nicht mehr auf dem Klo ein und verschlinge all den eben völlig überteuert an der Tanke gekauften Süßkram binnen 2 Minuten, sondern sitzen mit 6 Männer im Bato-Band-Bus. Mit Freunden, die wissen wie es mir geht, die akzeptieren, dass es diese Phasen gibt und die mich auf liebevolle Weise dazu bringen, zu teilen. Und das klappt zum Glück sogar als essgestörtes Einzelkind.

Eure Jana,
die heute Abend wieder das gemeine Bauchgrummeln gegen wundervolles Bauchkribbeln tauscht.

*Yepp, mit Ausrufezeichen.

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4 Kommentare

  1. Ich weiß wie sich das anfühlt gerade wenn es vor so vielen Leuten ist und einen jeder anstarrt aber du kannst mir glauben wenn ich sage du sahst toll aus gestern. Oft hört man nicht darauf wenn es einem gesagt wird weil man sich einfach nicht so fühlt und man nicht weiß ob sie ehrlich gemeint sind um einem nur ein besseres Gefühl zu geben. Aber es ist die Wahrheit ♥️

  2. Pingback: 50.000–Eure Top 5 - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

  3. ja das anstarren kenne ich auch zu gut, aber ich glaube nicht das die Leute dich wegen deinem Gewicht inzwischen anstarren sondern weil du so hübsch bist, vorallem wenn du lachst und deine Haare offen hast Süsse. Du hast soviel geschafft und setzt dich da vorne hin und liest aus deinem Buch. Ich finde das so toll und freu mich auf Wuppertal

  4. Pingback: Ziele sind Wünsche mit Fälligkeitstermin. - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

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