Wenn ich es mir genau überlege, gibt es doch sehr viel mehr gute Argumente, auf meine Ernährung zu achten, meine tägliche Kalorienzufuhr im Blick zu haben und sie in `nem kleinen Defizit zu halten, als mich vollzustopfen. 

Yepp, die Erkenntnis ist nicht neu und ich hatte diese Einsicht auch schon ein paar Mal, aber ich merke, dass es mir gut tut, diese Gedanken niederzuschreiben. Quasi als kleine Memo an mich selbst.

Kleine Memos machen das Leben wirklich leichter. Ich habe zum Beispiel einen an mich selbst geschriebenen Zettel in meinem Portemonnaie, dass es OK ist, nicht von allen Menschen geliebt zu werden.

Ja, ich bin harmoniesüchtig und am liebsten möchte ich, dass mich jeder mag. Nach `nem Streit mit nem grummeligen Bauchgefühl ins Bett zu gehen ist für mich der absolute Horror. Ich gehe grundsätzlich nicht schlafen, wenn ich mit jemandem, der mir wichtig ist, im Klinsch liege.

Aber muss ich auch von der Kassiererin bei Lidl geliebt werden? Muss ich ein komisches Gefühl haben, wenn sie mich nicht freundlich anlächelt, und sofort vermuten, dass ich an ihrer schlechten Laune Schuld habe?

Nein. Ganz einfach, nein. Muss ich nicht. So viel kann ich zwischen dem Moment, dass ich meine Waren aufs Band gelegt, diese bezahlt und dann eingeräumt habe, nicht falsch gemacht haben.

Ich lege meine Sachen sogar so aufs Band, dass es für sie einfach ist: Nichts übereinander stapeln, es sei denn, es sind die identischen Produkte. Flaschen niemals hinstellen, sondern immer aufs Band legen, damit sie nicht umfallen. Und wenn möglich alles schon immer mit dem Strichcode gut sichtbar nach oben.

Wenn sie also ein Problem hat, dann soll sie es behalten. Ist ja schließlich auch ihr’s. Ich muss es nicht automatisch auch zu meinem machen. Menschen in meiner Umgebung dürfen schlecht drauf sein und ich darf mich trotzdem gut fühlen. Punkt.

So werde ich das einfach auch mit den guten Argumenten gegen einen Fressflash machen. Allein, mir den Moment zu nehmen, sie zu lesen, könnte ja vielleicht schon etwas Zeit schinden, in denen sich mein Bauchgefühl doch Gehör verschafft, dass es jetzt nicht sein muss, der Sucht nachzugeben.

Mit den drei Argumenten von gestern komm’ ich da aber noch nicht so wirklich weit. Ich werde jetzt gleich hochgehen, unseren Merchandise aufbauen und dabei weiter von der wundervollen Obstplatte naschen, mit der wir heute im Naumann’s Leipzig begrüßt wurden, und sicher fällt mir noch das ein oder andere gute Argument ein.

Allein, wenn ich an die vielen Stufen von der Backstage nach oben denke, die mich mit 170 Kilo sicher an mein Limit gebracht hätten. Wie müsste es sich erst anfühlen, diese Stufen mit Normalgewicht und ohne Nach-Luft-Schnappen hoch und runter zu flitzen?

Heute werde ich es noch nicht erleben, aber hoffentlich ja beim nächsten Mal, wenn wir 2018 vielleicht wieder hier sind.

Eure Jana

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2 Kommentare

  1. Jetzt habe ich glatt ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht darauf achte, es der Kassiererin so einfach wie möglich zu machen. Ich weiß aber auch gar nicht, wie es für sie am einfachsten ist.
    Ich sollte über sowas mehr nachdenken.
    Und das mit dem Harmoniebedürfnis kann ich so sehr nachvollziehen, am besten schon nichts riskieren, sich so verstellen, dass es erst gar keinen Streit gibt und wenn es dann doch mal soweit kommt, einfach entschuldigen, egal ob man Schuld hat oder nicht.

  2. Liebe Jana…ich habe mir vor 2 Jahren das Wort “ Nein“ auf den Hals tätowieren lassen…weil ich trotz jahrelanger Therapie immer noch zu selten nein sage! Auf sich selbst zu achten ist viel schwerer als auf alle anderen!! Warum? Warum nehmen wir uns selbst nicht wichtig genug?? LG lilly

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