Egal, ob der Käserand schon angetrocknet war, der Pizzaboden durchgeweicht oder die Nudeln nur noch glibberige Pampe waren. Ich hab’s gegessen. Essen hatte bei mir schon lange nichts mehr mit Genuss zu tun.

Natürlich schmecke ich, ob etwas gut schmeckt. Wenn ein Kürbis lecker gewürzt, das Erdnussöl dem Wokgemüse `ne besondere Note gibt oder die Pizza einfach mal der Inbegriff von Kross ist, Yepp, dann feiern meine Geschmacksnerven den Moment und kosten ihn voll aus. Im wahrsten Sinne.

Aber auch wenn mal was nicht gut geschmeckt hat, war das noch lange kein Grund für mich, es liegen zu lassen, statt aufzuessen. „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“ wurde vom Leitsatz meiner Oma zu meiner inneren Stimme.

Ich erinnere mich an einen ganz bestimmten Moment in der Schulzeit. Eine Klassenkameradin hatte Geburtstag und es gab für jeden Mitschüler ein Kinder-Pingui. Da die Dinger, auch wenn wir sie in der Familienpackung Zuhause hatten, nie länger als einen Tag hielten, war mir völlig fremd, dass die schlecht werden können.

Also habe ich voller Vorfreude abgebissen und schon beim ersten Durchkauen wurde mir ganz anders, mein Pingui war schimmelig. Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas Ekligeres im Mund gehabt zu haben.

Hätte ich weitergekaut, hätte ich mich wohl übergeben müssen. Trotzdem habe ich nicht eine Sekunde dran gedacht, es auszuspucken. Ich habe auch das restliche Pingui in einem geschluckt, ohne zu Kauen. Mich schüttelt es jetzt noch, wenn ich daran denke.

Als heute morgen ausnahmsweise mal ich als letzte in den Frühstücksraum unseres Hotels kam, waren die Jungs schon fast fertig, so dass ich mir zwei dunklen Brötchen geschnappt, Gurken draufgelegt und für die Fahrt eingepackt habe.

Ich hätte nie gedacht, dass der Moment kommt, aber ich habe reingebissen und wollte es ausspucken. Vielleicht war es der Geschmack oder das Wissen durch meine Ernährungsberaterin, dass dunkle Brötchen leider viel zu oft einfach nur dunkel gefärbtes Weizenbrot ist. Vielleicht auch eine Mischung aus beidem. Wissen ist tatsächlich auch ein sehr gutes Argument gegen sinnloses Essen.

Ausgespuckt habe ich zwar nichts, aber ich habe den Rest des Brötchens wieder in die Papierserviette gewickelt und zurück auf die Ablage gelegt. Ok, ich habe es mir dann 3 Sekunden später doch wieder genommen, aber nur, um die Gurken vom Brötchen zu naschen.

Jetzt freu’ ich mich noch mehr auf das leckere Essen später, denn in Batos Heimatstadt bin ich sicher, dass wir verwöhnt werden. Und wenn es doch nicht schmecken sollte, lasse ich es stehen. So zumindest der Plan.

Eure Jana

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