Früher dachte ich, dass mein falsches Essverhalten einfach nur mangelnde Disziplin sei. Einfach nur weniger essen, einfach nur noch gesunde Sachen auf den Speiseplan setzen, einfach aufhören, wenn es genug ist. – Weder war es irgendwann mal einfach, noch jemals genug.

Ich war der festen Überzeugung, dass ich nur viel konsequenter und strikter an die Sache rangehen müsste. Ich glaubte, wenn ich strenger mit mir sei, würde das mit dem Essen schon hinhauen.

Also legte ich mir selbst Regeln auf. Regeln in Form von Ernährungsplänen. Je genauer, desto besser. Je schwieriger mein neuster Diät-Plan umzusetzen war, desto mehr glaubte ich, dass er die Lösung für all meine Probleme sein müsste.

Denke ich jetzt zurück, war das Essen an sich nie mein wirkliches Problem. Ich weiß, wie Ernährung „funktioniert“. Kalorien, Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine und so weiter. Ich weiß, was es bedeutet, sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Es ging mir nur einfach nicht schnell genug. Ich wollte Ergebnisse und zwar sofort.

Doch bei 170 Kilo dauert es, bis sich eine Veränderung überhaupt zeigt. Mit ausgewogener Ernährung nimmt man ab, aber langsam und gesund. Ich wollte schnell und … nein, ich wollte schnell und Punkt.

Mein Problem war, dass trendige Crash-Diäten aus dem Netz zu Beginn funktionierten. Ich verbuchte den schnellen Gewichtsverlust als mega Erfolg und ignorierte, dass jede Crash-Diät mit 3-5 Kilo mehr endetet, als ich sie begonnen hatte. Der berühmte Jojo-Effekt.

Und trotzdem hatte ich Crash-Diäten zu meiner Religion hatte werden lassen. Und das, obwohl ich nichtmal Kirchensteuer zahle.

Ich kann unglaublich diszipliniert sein, Dinge 1:1 umsetzen und gnadenlos streng mit mir ins Gericht gehen, aber irgendwann kommt der Moment, dass mein innerer Druck so groß wird, dass ich die Kontrolle verliere. Je mehr Disziplin ich vorher aufbringen musste, desto extremer der Fressflash.

Und so langsam reift in mir der Gedanke, dass „normal“ zu essen vielleicht doch ganz gut ist. Kein Extrem, keine Verbote und keine Disziplin, sondern viel mehr Geschmack, Genuss, Gespür & ein gutes Bauchgefühl.

Eure Jana,
die sich nun einfach in diesen Song fallen lässt. Wo Worten enden, beginnt die Musik…

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6 Kommentare

  1. Zitat: „Und so langsam reift in mir der Gedanke, dass „normal“ zu essen vielleicht doch ganz gut ist. Kein Extrem, keine Verbote und keine Disziplin, sondern viel mehr Geschmack, Genuss, Gespür & ein gutes Bauchgefühl.“

    Und diesen Gedankengang meinte ich neulich mit „sein lassen“ „loslassen“ „nachgiebig sein“.
    Genuss, Geschmack und Gespür. Je enger du die Ketten legst umso größer der Druck wie du selbst sagtest.
    Nachgeben wenn etwas drückt und entspannt zurückfedern. Solche Gedanken reifen erst mit der Zeit und zwischen Wissen, begreifen und Umsetzen liegt immer etwas Zeit. Aber ich freue mich genau über diesen oben genannten Satz von dir. Du bist auf dem richtigen Weg.

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