Während ich in der endlos langen Schlange am Postschalter stehe, wird mir bewusst, dass die meisten Briefe wohl wirklich zur Weihnachtszeit geschrieben werden. Eine schnelle Mail, ne kurze Sprachnachricht bei WhatsApp oder ein Telefonat zwischen Tür und Angel. In Kontakt sind wir ja eigentlich ständig. 

Sich aber die Zeit zu nehmen, um einen Brief zu schreiben, ist etwas sehr seltenes geworden. Es kostet Zeit, denjenigen, der die Zeilen niederschreibt, aber ebenso denjenigen, der sie aufmerksam liest.

Zeit hat heute ja eigentlich niemand mehr, besonders nicht so kurz vor Weihnachten. Das wird mir besonders in diesem Moment klar, denn der Postangestellte am Schalter Nummer fünf erntet für das erlöschen seines Lichts lautes Gemecker und grenzenloses Unverständnis.

Dass er vielleicht seit fünf Stunden nicht mehr auf Toilette gehen konnte, interessiert hier niemanden. Besonders nicht diejenigen, die inzwischen draußen frieren müssen, da sich das Ende der Schlange vor der Tür in der Kälte befindet.

Ich schaue mich um und sehe genervte, gestresste Gesichter. Die Frau neben mir atmet tief durch und seufzt leise, während sie den Namen auf dem Brief in ihrer Hand liest. Doch dann passiert etwas Wundervolles, ein Lächeln macht sich auf ihren Lippen breit.

Vielleicht stellt sie sich gerade die strahlenden Augen vor, wenn ihr Brief bald geöffnet wird. Vielleicht von jemandem, der darauf wartet oder vielleicht auch von jemandem, der niemals damit rechnet.

Ein Brief kostet Zeit, ja, das stimmt wohl. Vielmehr jedoch schenkt ein Brief Zeit.  Und Zeit ist wohl das wertvollste Geschenk, das man jemandem machen kann. Er schenkt demjenigen einen ruhigen Moment, der sich gemütlich an einen Tisch setzt, dazu vielleicht einen Kaffee oder Tee trinkt und seine Gedanken zu Papier bringt.

Und er schenkt denjenigen Zeit, der den Brief öffnet und sich beim Lesen eine kleine Auszeit vom Alltag gönnt. Der in die Gedankenwelt des Verfassers eingeladen wird und sich dort für einen Moment Zuhaus’ fühlen darf. Ohne Stress, ohne Hektik.

Ich freue mich immer unglaublich, wenn ich am Merch Post von Euch bekomme und auch wenn ich im Moment viel zu selten dazu komme, Euch zu antworten, genieße ich es sehr, Eure Gedanken zu lesen, mich in Eure Welt fallen zu lassen und einen Moment Inne zu halten. Eure Briefe gehen oft so tief, dass ich ihnen mit einer kurzen Antwort niemals gerecht werden könnte.

Mein bester Freund hat mir vor wenigen Jahren auf meine schriftliche Offenbarung mit dem Song „Unvergleichlich“ geantwortet. Er hat die Sprache gewählt, die ich verstehe und so hoffe ich von ganzem Herzen, dass ihr mich versteht, wenn ich Euch auf der „In Gedanken“ Tour im Mai 2018 einen Moment zu lang in den Arm nehme…

Eure Jana

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1 Kommentar

  1. Liebe Jana man kann niemanden zu lange in den Arm nehmen und ja es stimmt, Zeit ist das kostbarsten was wir verschenken können das sehe ich gerade bei meinen Kindern täglich und frage mich immer wieder wo sind die 14 bzw. 10 Jahre hin?

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