Ihr Lieben, auch wenn ich mich – wie ihr bei Instagram schon bemerkt habt – die letzten Tage wirklich selbst überrascht habe, traue ich dem Braten noch nicht so ganz. Ich bin vorsichtig. Zu oft habe ich mich schon am Ziel gesehen. Zu oft habe ich in Gedanken schon die Arme zur Jubelpose hochgerissen und laut „Tadaaa“ gerufen. Bis ich dann doch gemerkt habe, dass ich zwar mal wieder über meinen Schatten gesprungen, aber knietief im Treibsand gelandet bin.

Ich versuche also, meine Fortschritte seit meinem Brief in der Silvesternacht zwar zu genießen, aber nicht wieder in Euphorie zu verfallen. Wirklich schwer fällt es mir nicht, was eigentlich schon die größte Überraschung für mich ist, da ich ja eigentlich ein sehr euphorischer Mensch bin.

Von einem Extrem ins andere

Extreme haben mir aber nie gut getan. Weder meine Phasen maßloser Fresserei mit Zehntausenden von Kalorien pro Tag, noch meine Hungerphasen mit exakt Null Kalorien pro Woche. Ja, pro Woche. So viele Jahre bin ich zwischen hungern, fressen und kotzen geschwankt.

Ebenso war es mit meinen Gefühlen, es gab nur Schwarz oder Weiß. Mit himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt konnte ich was anfangen, aber sobald es in den normalen Bereich ging, fehlte mir was und es baute sich wieder dieser unerträgliche Druck auf. Ich war regelrecht süchtig nach Highlight & Drama.

Zwischen zwei Zügen

Gerade sitze ich im Zug von Hagen zurück nach Berlin und erinnere mich, wie oft ich lieber zwischen den Abteilen auf dem kalten Boden gesessen habe, als im Blickfeld anderer Menschen. Und das nicht nur, weil es mir unangenehm war, so dicht neben jemandem zu sitzen, da mein Hintern breiter als der Sitzplatz war. Moment… Ich gucke nach. Nein, er ist immer noch breiter als eine Sitzfläche.

Trotzdem sitze ich heute auf meinem reservierten Platz, denn ich habe nicht den Drang mich heimlich im Gang oder notfalls auf dem Zugklo vollzustopfen. Meine Reiseverpflegung aus Eis, Brezeln, Nüssen, Weingummi, Pizzazungen und Kuchenteilchen konnte bis vor ein paar Wochen schon mal locker so um die 35 Euro kosten. Viel Geld, wenn der Dispo mal wieder am Limit war und wir grad mal Mitte des Monats hatten.

Aber jetzt sitze ich hier am Tisch, esse aus der Tupperdose die Reste vom Mittag und freu’ mich auf Berlin. Ich bin gespannt, was die Waage in Berlin anzeigt, denn so langsam müsste das Wasser vom letzten Fressflash vor Weihnachten doch echt mal aus dem Körper sein. Na ja, wir werden es ja morgen früh sehen und dann schauen wir weiter.

Habt einen schönen Abend,
Eure Jana

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Autor

3 Kommentare

  1. Liebe Jana,
    Ich finde es erstaunlich , dass es solche Parallelen im Empfinden gibt, „nur“ weil die Quelle (die Essstörung) ähnlich ist.
    Das du dem Braten noch nicht traust und das Schreckgespenst schon lauern siehst, obwohl es schläft, kann ich für mich gut nachvollziehen.

    Seit ein paar Tagen schwanke ich auch zwischen der Freude , „back to life“ und dem Damoklesschwert, „wann fällt es wieder“, über meinem Kopf.
    Es wäre so viel einfacher für mich, wenn ich „einfach“ mal, ohne ständiges hinterfragen, die derzeitige Situation annehmen könnte.
    Ich meine Menschen ohne ES haben ja auch schwarze, graue, weiße und sehr bunte Tage und leben „einfach“ damit….

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass dein Braten ohne zuviel Röstaromen aus dem Ofen kommt.
    Für mich denke ich darüber mal nach, ob es nächste Woche mal wieder Schweinebraten, aus der Lende des Schweinehundes, gibt.

    Liebe Grüße 😘

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