Ich hatte immer das Gefühl, mir selbst durch Verzicht etwas beweisen zu können. Ich war schrecklich stolz, wie diszipliniert, wie willensstark, wie standhaft ich doch sein konnte. Ja, wie unglaublich eisern ich doch war, all den sündhaften Versuchungen zu widerstehen.

Ich war besser.

Und habe ich jemanden dabei beobachtet, wie er ein cremiges Eis oder einen zartschmelzenden Riegel Schokolade gegessen hat, war ich nicht neidisch. Nein, ich war sogar stolz, dass ich diese 175 Kalorien nicht gegessen habe. Ich habe mich regelrecht daran aufgegeilt, mir im Kopf auszurechnen, wie viele Kalorien ich gerade einspare, weil ich, Jana Crämer, stark genug war, zu verzichten. Ich brauchte diesen Genuss nicht, ich nicht.

Und denke ich heute darüber nach, kann ich mich noch genau in diesen Moment hineinfühlen. In diesen erhabenen Moment, disziplinierter als mein Gegenüber zu sein. Es war ein ständiges Vergleichen und in diesem einen Punkt, konnte ich endlich mal gewinnen. Ich war besser. Was eine Befriedigung – und was ein Teufelskreis.

Teufelskreis

Damit der Kick anhielt, mussten es immer krassere Verzichte sein, immer weniger Lebensmittel waren in meinen Augen noch OK. Irgendwann waren nicht mal mehr Öle, Gewürze oder Kräuter in Ordnung, alles musste pur, rein, eben „clean“ sein. Und nur, wenn die Kalorien in meinem Kalorientracker unter meinem Grundumsatz blieben, konnte ich stolz auf mich sein.

Hallo lieber Schmerz, ich bin wieder da.

Es ging mal eine Woche, mal ein paar Monate so, bis der angestaute innere Druck so groß wurde, dass er den kleinen Schalter in meinem Kopf umlegte, sich die Schleusen öffneten, die komplette Anspannung aus meinem Körper entwich und ich diese schreckliche Leere mit Unmengen an Essen füllen musste. Je ungesünder, desto besser. Scheiß auf clean.

Kein Verzicht mehr

Seit meinem Brief in der Silvesternacht, verzichte ich auf nichts mehr, nein, wirklich auf gar nichts mehr. Zucker, Kohlenhydrate, Weizen machen mir keine Angst mehr, inzwischen kann ich es wieder genießen, ein sahniges Eis oder einen leckeren Riegel Schokolade zu essen. Oder meine geliebte Walnuss-Tarté, welch‘ eine Geschmacksexplosion. Warum habe ich nur so lange auf Dich verzichtet?

Bauchgefühl & Gedanken

Natürlich melden sich dann noch meine Gedanken, ob das denn jetzt so richtig sei und ob ich es nicht etwas übertreibe, aber ich kann sie von mal zu mal immer besser beruhigen und mein Pulsschlag beruhigt sich dann auch wieder. Zumindest ganz langsam. Was sich leider noch nicht wieder meldet, ist mein Bauchgefühl. Es ist im Moment ein vorsichtiges ausloten, wann ich Hunger haben müsste und und wann es genug ist, aber ich gebe uns Zeit. Wir werden uns schon wieder anfreunden.

Deshalb finde ich Eure Nachfragen auf Instagram, wo ich ja alles poste, was ich so den lieben langen Tag esse, wirklich rührend. Ja, ich weiß, dass es wohl eher zu wenig als zu viel ist, aber ich taste mich da vorsichtig ran und spüre, dass ich da auf einem gutem Weg bin.

Eure Jana

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Autor

5 Kommentare

  1. Danke Jana, das kam gerade genau richtig. Langsam aber sicher lässt der innere Druck nach und ich versuche mir trotz allem noch nen ruhigen Abend zu machen. Dir wünsch ich den natürlich auch!

  2. Ja das kenne ich leider zu gut…
    Es kommt immer mal wieder…
    Ich muss gesundheitstechnisch tatsächlich auf manche Dinge wie z.B. Weizen und andere Getreidesorten plus zuviel Milchprodukte und Obst verzichten. Tut mir und meiner Hashimoto leider gar nicht gut.
    Leider klappt das nicht immer, aber ich bleibe dran..
    Als ich wieder gestartet bin hab ich versucht mit 900-1200 kcal auszukommen…
    Das hat nur 1,5 Wochen, während ich krank war, gut geklappt.
    Jetzt bin ich auf 1800-2200 kcal gestiegen. Das Gefühl des Verzichts ist weg und damit der Druck, zumindest im Moment, und das ist gut so…

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