Essen ist für mich ab und zu ein bisschen wie ein Konzert. Ob alles glatt läuft, hängt von vielen, verschiedenen Faktoren ab. Oft ist es zum Glück nur ein kurzes Stolpern und man kommt wieder rein, aber manchmal läuft es völlig aus dem Ruder, dann heißt es: „Neustart und Update“.

Challenge accepted.

Beim Konzert sind das für mich oft mit die witzigsten Momente des Abends. Wenn ich merke, dass es oben auf der Bühne plötzlich etwas unruhiger wird und die kleinen Gesten in Batos Richtung Bände sprechen. „Na, jetzt sind wir aber mal gespannt, wie Du während des Songs noch die Konfetti-Kanonen ausrichten willst.“ – Ich an seiner Stelle würde in Panik verfallen, aber in seinem Blick steht dann ein leuchtendes „Herausforderung angenommen“. Er liebt diese kleinen, zusätzlichen Adrenalin-Kicks,  ich stehe meist nur kopfschüttelnd daneben.

Eindeutig zu wenig.

Bei Instagram könnt ihr ja genau beobachten, was, wann und wie viel ich esse. Ich fotografiere und poste alles. Yepp, wirklich alles, was ich esse. Und vermutlich könnt ihr ab und zu auch nur fassungslos mit dem Kopf schütteln, denn sicher ist Euch nicht entgangen, dass es an einigen Tagen deutlich zu wenig ist. Früher hätten meine Gedanken dann auch „Challenge accepted – Da geht noch weniger“ gerufen. Früher.

Rechne ich hier mit dem Kalorien-Bedarfs-Rechner meinen persönlichen Tagesbedarf aus, komme ich auf etwa 2300 Kalorien. Je nachdem, ob ich von Termin zu Termin hetze oder es doch ein gemütlicher Tag am Schreibtisch ist. Mein fitbit bestätigt das Ergebnis des Rechners und im Grunde pendelt es sich auf die Woche gesehen ziemlich genau bei 2300 Kalorien, die ich pro Tag zu mir nehmen sollte, ein.

Hunger und Sättigung sind mir fremd.

Da ich mich mit diesem Brief an meine Essstörung aber ebenso von dem Zwang befreit habe, meine gegessenen Kalorien genau zu zählen und aufzuschreiben, bin ich da ehrlich gesagt etwas aus dem Takt gekommen. Aus Angst, wie früher in Maßlosigkeit zu verfallen und viel zu viel zu essen, esse ich heute vorsichtshalber zu wenig. An manchen Tagen leider viel zu wenig.

Ich will weiter abnehmen.

Hier muss ich mir eingestehen, dass es so nicht funktioniert. Ich schraube mich konsequent in die Hungerspirale und versaue mir meinen Stoffwechsel und meine Laune. Ich muss mein Gefühl, dass ich so lange mit Kontrolle, Verzicht und Disziplin gequält habe, updaten.

Yepp, und dafür muss ich mein Bauchgefühl etwas mit wissenschaftlich bewiesenem Fachwissen unterstützen. Echtes Wissen statt reißerischer Versprechungen und das sogar kostenlos frei Haus. (Welche Infos mir da helfen, könnt ihr hier bei „Ich hab mich einfach halbiert“ nachlesen.)

Die Zeit der Challenges ist vorbei.

Weder in meinem Leben, Geschweige denn in irgendwelchen bescheuerten Selbst-Optimierungs-Gruppen möchte ich Essen wieder mit einem (Wett-)Kampf, einer Herausforderung oder Disziplin in Zusammenhang bringen. Ich möchte Essen mit Genuss, Geschmack, Ausgelassenheit und Geselligkeit verbinden und ich spüre, dass es mir gelingt. An einem Tag mehr, an `nem anderen noch weitaus weniger und es tut so gut, zu wissen, dass Schwankungen auch hier – und nicht nur auf der Waage – völlig normal sind.

Alles hat seine Zeit.

Die Konfetti Kanonen sollten vor dem Konzert in Position gebracht werden und vor der Ernährungsumstellung sollten die ersten Knoten und falschen Verknüpfungen von „Gefühl & Essen“ zumindest schon mal ein bisschen gelockert werden.

Ich bin Therapie & Ernährungsberatung zeitgleich angegangen und habe mal der einen, mal der anderen Baustelle mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Es war besonders während unserer letzten Tour keine einfache Zeit, aber es ging. Bato, habe ich Dir heute schon gesagt, dass ich unbeschreiblich dankbar bin, dass wir uns nicht gesucht und doch gefunden haben?

„Schweigen ändert nichts“.

Wenn Dir aber Veränderungen (genau wie mir) erstmal Angst machen, solltest Du den Weg auch nicht alleine gehen. Wir dürfen uns Hilfe zugestehen und wenn Du niemandem hast, dem Du Dich anvertrauen magst, möchte ich Dich in uns`re „Schweigen ändert nichts“ – Gruppe einladen, um Unterstützung zu finden. Keine Challenges, keine Produkte, nur offene Ohren & Herzen – fest versprochen.

Yepp, ich komme auch immer wieder heftig ins Stolpern, aber selbst wenn ich zwischendurch noch richtig mies auf die Nase falle, weil ich am liebsten drei Stufen auf einmal nehmen würde, weiß ich, dass Bato mir die Hand reicht und mir wieder hoch hilft.

Ihr Lieben,
ich hoffe, wir lernen uns auf der Tour im Mai kennen und tanzen nach der Konzert-Lesung mit einem federleichten Bauchgefühl gemeinsam im Konfetti-Regen, singen hemmungslos schief jede Textzeile lauthals mit und klatschen gnadenlos gegen den Takt. – Darin bin ich die Königin. – Ach, und falls ihr kurz vor’m großen Knall doch noch mal jemanden über die Bühne huschen seht… das könnte ich sein. Ich, wie ich versuche, die Konfetti-Kanonen doch noch schnell in die richtige Position zu rücken.

Fühlt Euch gedrückt,
Eure Jana

Was Euch auf unserer Batomae „In Gedanken“ Tour 2018 erwartet? —> http://www.endlich-ich.com/konzert-lesungen/

10.5. Bremen – Tower Musikclub
11.5. Lübeck – Rider’s Café
16.5. Frankfurt/Main – Nachtleben
17.5. Köln – MTC
18.5. Dortmund – FZW
19.5. Stuttgart – Haus 11
24.5. Jena – Kassablanca
25.5. Dresden – GrooveStation
26.5. Weinheim –  Café Central

Tickets: www.eventim.de/batomae

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