Gestern wurde ich gefragt, welcher Schritt mich bislang am meisten Überwindung gekostet hat. Ehrlich gestanden gab es in den letzten Jahren so einige Momente, in denen ich kurz vorher am liebsten doch noch gekniffen hätte.

Vor unserem Musikvideo-Dreh zu „Unvergleichlich“ zum Beispiel. Oh, ja, da war ich echt ganz kurz davor, im allerletzten Moment abzusagen. Noch nie hatte mich jemand fast nackt, bei einem Fressflash oder beim Kotzen gesehen. Zwei Jahre sind vergangen und ich habe es nicht eine Sekunde bereut. Es war vielmehr eine Offenbarung und jedes Mal, wenn ich sehe, dass jemand unser Video bei Facebook teilt, macht mein Herz einen kleinen Hüpfer.

Auch der Schritt auf die Bühne, um bei unseren Konzert-Lesungen aus meinem Leben vorzulesen, kostet mich immer wieder enorme Überwindung. Wer uns schon mal auf Tour besucht hat, weiß, wie nervös und unsicher ich bin, wenn es darum geht, vor Menschen zu sprechen. Trotzdem kann ich unsere „In Gedanken“ – Tour im Mai kaum erwarten.

Ebenso das Shooting für die Nacktfotos, der 1. Gang zum Psychiater oder auch meine Ernährungsberatung. Wie der Gang zur einer Ernährungsberaterin eine vergleichbare Herausforderung sein kann? Weil ich die Wahrheit über Diäten nicht hören wollte.

Essen war mein dunkelstes Geheimnis.

Ich kann nicht mal mehr zählen, wie viele Diäten ich versucht habe. Low Carb, Slow Carb, No Carb – ich hab’ sie alle durch. Noch vor wenigen Jahren habe ich mehr als doppelt so viel wie heute gewogen. Über 170 Kilo, um genau zu sein. Meinem Gewichtsproblem bin ich mit Ernährungsplänen, Kalorienzählen, Zwang, Kontrolle und Verzicht begegnet. Heute esse ich Pizza und poste nicht nur jeden Morgen mein Gewicht, sondern auch ausnahmslos alles, was ich esse, bei Instagram.

Kohlenhydrate nach 17:00 Uhr?  Das wäre früher unvorstellbar gewesen. Je mehr Gewicht ich durch eiserne Disziplin abnahm, desto mehr nahm mein innerer Druck zu. Um ihn loszuwerden, provozierte ich höllische Streitereien und sinnlose Auseinandersetzungen. Denke ich an Situationen mit meinem besten Freund zurück, wäre „Dramaqueen“ noch eine Verniedlichung meiner Gefühlsausbrüche gewesen.

Wiedermal zum letzen Mal.

Manchmal dauerte es nur ein paar Tage, dann Wochen und manchmal hielt ich sogar Monate stand, aber jede Diät endete mit dem Gefühl des erneuten Versagens und mit diesem einen Gedanken: Dass es dieses Mal zum allerletzten Mal passiert. Ja, dass ab morgen alles anders werden würde, dass ich bei der nächsten Diät durchhalten würde.

Endlich Ich – Endlich leben.

Mein Idealgewicht war in Gedanken schon zum Greifen nah und dann, ja, dann würde ich endlich anfangen zu leben. Ich würde ausgehen, Freunde treffen, die schönsten Kleider tragen und mich verlieben. Das 1. Mal Händchen halten, jemanden küssen… Ich konnte das Kribbeln im Bauch regelrecht spüren.

Aber die widerliche Masse aus fettigem, schleimigem Essen, das ich zuvor verschlungen hatte, fing an, in meinem Magen aufzuquellen und die höllischen Schmerzen verdrängten jede Hoffnung. Entweder schleppte ich mich so überfressen ins Bett und versuchte irgendwie trotz höllischer Schmerzen in den Schlaf zu finden oder ich steckte mir den Finger in den Hals.

Eine einzige Enttäuschung.

Wieder hatte ich versagt, wieder war ich nicht genug, wieder war ich es nicht wert. Nicht wert, geliebt zu werden, nicht wert, mich selbst zu lieben. Ich war eine einzige Enttäuschung. Zu dem Gefühl des kläglichen Versagens gesellte sich ziemlich schnell das Gefühl der Einsamkeit. Niemand sollte sehen wie es mir wirklich ging. War ich unter Menschen, setze ich eine strahlendes Lächeln auf. Meine Maske saß wie angegossen und stand mir so gut, dass ich mir mein Lächeln irgendwann sogar selbst abnahm. Ich lebte eine Lüge.

Doch es gab jemanden, der die Schatten in meinen Augen sah. Mein bester Freund, Batomae. Ich wollte mich bei ihm entschuldigen, ich wollte ihm gegenüber ehrlich sein, ich wollte ihm alles sagen. Ich wünschte mir doch so sehr, dass mich jemand versteht.

Mein schwierigster Schritt.

Als ich heute dieses unglaubliche Fan-Video zu „Schweigen ändert nichts“ bekommen habe, sind mir die Tränen gekommen und ich habe die Antwort auf die Frage gefunden, was meine wohl größte Herausforderung war. Das Schweigen zu brechen war der ohne Zweifel schwierigste Schritt und ohne Batomae wäre ich ihn niemals gegangen. Ich kann wirklich sagen, dass seine bedingungslose Freundschaft mein Leben gerettet hat.

Schweigen ändert nichts und ich hoffe so sehr, dass wir uns auf unserer „In Gedanken“ – Tour im Mai treffen und gemeinsam einen unvergleichlichen Abend erleben. Solltest Du nicht allein kommen wollen, schau‘ doch mal in unserer Facebook Gruppe „Schweigen ändert nichts“ vorbei, dort findest Du auf jeden Fall Anschluss.

Ich freu‘ mich drauf, Dich kennen zu lernen,
Deine Jana

Was Euch auf unserer Batomae „In Gedanken“ Tour 2018 erwartet? —> http://www.endlich-ich.com/konzert-lesungen/

10.5. Bremen – Tower Musikclub
11.5. Lübeck – Rider’s Café
16.5. Frankfurt/Main – Nachtleben
17.5. Köln – MTC
18.5. Dortmund – FZW (RESTKARTEN)
19.5. Stuttgart – Haus 11
24.5. Jena – Kassablanca
25.5. Dresden – GrooveStation
26.5. Weinheim – Café Central

Tickets: www.eventim.de/batomae

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Autor

8 Kommentare

  1. Liebe Jana,
    habe auf Sat1 Deinen Bericht gesehen.
    Du bist richtig, so wie Du bist! Du brauchst Dich nicht hinter Fressatacken zu verstecken. Sehen wir es äußerlich: Du hast tolle Augen die so viel erzählen …… für Deine Haare würden Viele einiges geben…

    Sei glücklich über Kleinigkeiten, lerne wenn Du lachst, das nicht nur Dein Mund lacht, sondern auch Deine Augen müssen es tun, denn dann kommt es tief von Innen, von Herzen- das musst Du lernen!

    Hochachtung vor Deinem Freund, er ist ein wahrer Freund! Umgebe Dich nur mit dieser Art von Menschen!

    Tränen sind toll, denn auch sie schwemmen das Übel aus Dir raus und verschaffen Dir Erleichterung!

    Du kannst nicht alle retten, doch wenn Du – auch täglich nur eine Person davon abhält in diesen Teufelkreis zu kommen dann sind das 365 im Jahr 3650 in 10 Jahren…..nicht zu vergessen, die, die Dein Erlebtes weitergeben und auch andere davon abhalten

    170 kg- ein toller Schutzpanzer, doch auch der konnte Dich nicht schützen! Ist es nicht besser weniger zu wiegen, damit Du Deiner Kranheit ‚wortwörtlich’in den Allerwertesten treten kannst!

    Es ist ein langer Weg, nimm Dir Zeit und genieße ihn. Schnelle Erfolge verpufften schnell. Die auf die man lange Hinarbeitet kann man dann witklich genießen.

    Alles Liebe
    Alexa

    • Hallo Frau Cramer,ich habe heute im Fersnseh ihren Bericht gesehen und bin erschüttert.Sie haben in einigen Zeilen gesagt das sie ein schlechter Mensch sind.Ich möchte Ihnen sagen das sie kein schlechter Mensch sind.Ich habe sie durch den Bericht als einen sehr verletzlicher Mensch kennen gelernt.Ich finde es gut das sie sich jetzt öffnen und über ihre Krankheit sprechen.Ich wünsche Ihnen alles Liebe und Gute.Machen Sie weiter so.
      Lieben Gruss Michael

  2. Hallo Jana,
    auch ich habe heute deinen Beitrag im Fernsehen gesehen. Ich fühlte mich verstanden und gleichzeitig machte es mich traurig, dass ich Menschen wie dich, die ich als mitfühlend und sensibel beschreiben würde, nicht in meinem Umkreis habe. Ich sehne mich nach ähnlich denkenden Menschen, mit denen ich meine Gedanken teilen kann, ähnlich wie du und dein bester Freund. Einen Account auf Facebook habe ich nicht und will ich mir auch nicht zulegen, sodass ich der Gruppe nicht beitreten kann. Vielleicht kann man aber noch eine andere Möglichkeit schaffen. Wie wäre es mit einem Forum?
    Liebe Grüße an dich,
    Kerstin

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