Als ich gestern Abend so gegen 22:00 Uhr ins Bett gekrabbelt bin, hatte ich unerträgliche Schmerzen. Schmerzen, wie ich sie zum Glück schon sehr lange nicht mehr hatte. Früher endete jede neue Ernährungsumstellung, die auf Kontrolle & Disziplin basierte, mit einem Fressflash. Je krasser der Verzicht, desto schlimmer der Fressflash. 

Hauptsache das Foto war schön. 

Verzichtet habe ich in den letzten Monaten, wie ihr ja bei Instagram und Facebook verfolgen konntet, auf nichts. Auf rein gar nichts. Hm, stimmt doch nicht so ganz, denn ehrlich gesagt, habe ich schon darauf verzichtet, dass das Essen noch warm war, wenn ich endlich dazu gekommen bin, anzufangen.

Es ging mir weniger darum, was die besten Inhaltsstoffe hatte oder ob es die Teller-Regel (Seite 8) erfüllte. Es ging mir nur noch darum, ob’s hübsch aussah. OK, manchmal sah es auch nach etlichem hin- und herdrehen, Blickwinkel wechseln und Filter drüber klatschen einfach nur scheiße aus. Und selbst wenn es dann doch lecker geschmeckt hat, habe ich es nicht genießen können, weil ich mich über das hässliche Foto geärgert habe. Ziemlich gestört, nicht wahr? Ziemlich essgestört. 

Das tägliche Wiegen.

Mein tägliches Wiegen haben viele von Euch ja von Anfang an eher mit Skepsis betrachtet. Yepp, ihr hattet Recht. Eine zeitlang wäre das mal spannend gewesen und auf diese Art und Weise konnte ich ja wirklich zeigen, dass auch eine Pizza nach 18:00 Uhr nicht dazu führt, dass man wirklich zunimmt. 

Ein Zeichen? 

Aber auf Dauer war es einfach nur zeitaufwendig und nervig. Vielleicht habt ihr Recht, vielleicht sollte es einfach als Zeichen sehen, dass meine Waage gestreikt hat. „Jana, hör auf mit dem Quatsch und schlaf lieber 10 Minuten länger“. 

Spannendere Rubriken.

Und mal ehrlich, es gibt doch viel spannendere Dinge auf meinem Weg aus der Essstörung als jeden Morgen ein Bild von der Waage, mein hundemüdes Gesicht oder jeden Bissen, den ich esse. Wie wäre es stattdessen mit genauen Rezepten von meinen Lieblingsgerichten? Oder Expertenwissen von meiner Ernährungswissenschaftlerin Sandra, die sich um die ganzen Mythen in meinem Kopf rund ums Thema Essen kümmert? Oder Einsichten, die ich durch meinen Psycho-Doc gewinne. Es gibt so viel mehr.

Traurig genug.

Ja, Rituale sind schön, aber sie sollten nicht nerven und vor allem sollten sie sich nicht nach Zwang oder Druck anfühlen. Denn als ich gestern Abend vergessen habe, ein Foto von meinem Popcorn zu machen, war es genau wie früher. Diese kleine Abweichung von meinem Plan, alles zu fotografieren, war der Startschuss für eine Fressattacke und heute Morgen bin ich ganz froh, dass die Waage kaputt ist, denn dass mein Magen immer noch schmerzt, ist traurig genug. 

Verbiegen ist gut, aber nur an der Spree.

Ich habe mal wieder gemerkt, dass ich alles immer extrem oder gar nicht mache. Früher mein hungern, fressen, kotzen, dann mein Clean-Eating, dann mein 90 Minuten Laufen jeden Tag, jetzt das lückenlose fotografieren meiner Mahlzeiten und das tägliche wiegen.

Ich wünsche mir ein schönes Ritual für das ich mich nicht verbiegen muss. Eines, das meinen Tag bereichert, statt ihn zu belasten. Eines, das mir gut tut und ein Lächeln schenkt. Habt ihr vielleicht Ideen?

Fühlt Euch gedrückt, und ich hoffe, dass wir uns alle im Mai auf unserer Deutschland-Tour sehen. Ja, Dortmund ist leider schon ausverkauft, aber für die anderen Termine gibt es noch ein paar Karten. Ich freu‘ mich sehr auf Euch, Eure Jana

Batomae & Band „In Gedanken“ – Tour 2018
Support: Jana Crämer & Batomae: Die Konzert-Lesung

10.5. Bremen – Tower Musikclub
11.5. Lübeck – Rider’s Café
16.5. Frankfurt/Main – Nachtleben
17.5. Köln – MTC
18.5. Dortmund – FZW *ausverkauft*
19.5. Stuttgart – Haus 11
24.5. Jena – Kassablanca
25.5. Dresden – GrooveStation
26.5. Weinheim – Café Central

Tickets: http://www.eventim.de/batomae

Autor

6 Kommentare

  1. Liebe Jana, ich verstehe das, ich kenne das zu gut. Einer der Gründe, warum bei mir aktuell Diäten oder Sport scheitern. Ich möchte auch zu viel, auf einmal, extrem. Statt mit 1 mal die Woche Sport zu beginnen, muss es jeden Tag sein. Statt Süßigkeiten und Fast Food zu reduzieren, auf einmal gar nichts mehr. Das lässt sich so nicht durchhalten und es endet immer gleich. Ich drücke dir die Daumen, dass du für dich deinen Mittelweg findest. Ich arbeite auch daran. LG

  2. Liebe Jana,
    es ist schade dass dich solche „Kleinigkeiten“ so aus der Bahn werfen. Und das obwohl du dich auf einem so klasse weg bist.

    Mir hilft es immer, wenn meine Rituale anderen etwas bringen. Früher war es mein Ritual jeden Samstag mit nem Hund aus dem Tierheim spazieren zu gehen. Mittlerweile sind es jeden morgen meine eigenen Tiere zu füttern und mich zu kümmern. Außerdem gehe ich zwei mal die Woche mit einer Arbeitskollegin laufen weil sie nicht alleine gehen möchte und ich anders ebenfalls nicht gehen würde.

    Das mit den Tieren passt für dich ja leider nicht aber wie wäre es denn, wenn du dem älteren Herrn/Dame der/die über, unter oder neben dir wohnt beim. Brötchen holen die Zeitung von unten mit hoch bringst. Oder einmal die Woche Blumen mitbringst. Oder oder oder… Und wenn du es dann mal nicht machst ist das auch nicht schlimm.

    Mir gibt es einfach immer mehr ansoort etwas für andere zu tun und dann mache ich das auch gerne und halte mich in der Regel dran.

    Und auch wenn es dann mal nich klappt, du bist klasse Wie Du bist und keinem etwas schuldig. Du machst es weil du es willst. U d wenn du dann gerade mal nicht willst, auch gut 😊

  3. Liebe Jana,
    ich finde es toll, dass du den Versuch gemacht hast, radikal alles Essen zu fotografieren und dein Gewicht täglich zu veröffentlichen. Gut, wenn du merkst, dass es dir jetzt nicht mehr gut tut. Überhaupt ist das Hinspüren doch der Kern dazu, sich richtig zu entscheiden, auf sich Acht zu geben und durch Probieren zu lernen.
    Neue Rituale sollten wirklich schön sein, damit wir durch sie KRAFT gewinnen… vielleicht kannst du jeden Morgen nach dem Aufwachen überlegen, was du gern nur für dich machen würdest: ein Foto vom Baum vorm Haus? Ein altes Lied aus deiner Jugend hören? Heiß duschen und mit gut duftender Lotion eincremen oder ein süßes Geschenk für den anstehenden Geburtstag von jemand aussuchen? Hauptsache, es erfüllt dich ein paar Minuten und du machst es GERN. Danach können die Mails kommen und die Pflichten und nicht so geliebten Gedanken.
    So versuche ich zur Zeit das Chaos in meinem viel zu vollen Kopf zu unterbrechen.
    Ich liebe deinen Blog. Danke, dass du das mit uns teilst <3
    Sophie

  4. Hallo jana,

    Ihr wart an unserer Schule und hast mich emotional total aufgebaut. Ich danke dir dafür… mich hat das alles sehr mitgenommen und du mich unterstützt. Vielen Dank für den ganzen Mut. Aus diesem Grund habe ich bei uns einen Jugendgottesdienst in die Wege geleitet mit dem THEMA Unvergleichlich.

    Ich danke dir für deine erlichkeit in Worte und finde es krass es Alles öffentlich zu machen.
    Wichtig ist das du dich dabei gut fühlst und du dir klar machst was du möchtest.

    Danke

    Tanja

    • So liebe Worte, ich danke Dir von Herzen. Toll, dass Du Deine Gedanken im Jugendgottesdienst weiter trägst. Liebe Grüße, Jana

  5. Pingback: Ich möchte nichtan Dinge glauben,ich möchtesie verstehen. - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

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