Als ich am 27. Februar 2018 um 13:22 Uhr von der lieben Julia Kautz erfuhr, dass wir für unseren „Mut in der Kommunikation“ den SignsAward verliehen bekommen sollten, habe ich kurz gequietscht. – Bato kennt das. Es ist wie ein Automatismus, wenn ich mich all zu doll freue, quietsche ich. Die Schüler, die nach unserer Konzert-Lesung noch in der Aula waren, haben zwar etwas verdutzt geguckt, sich dann aber wieder – vermutlich innerlich quietschend – den Selfies mit meinem besten Freund gewidmet.

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„Schweigen ändert nichts“ und nach einem langen Gespräch mit meinem Besten liege ich nun wirklich entspannt im Bett 🛏 Das Buffet und besonders der Nachtischteller (ihr habt’s in der Instatory gesehen) waren heute wohl etwas zu viel „Ruhe“ in einer sehr aufregenden Zeit… 😇 Als würde sich eine Decke aus Wohlgefühl über die Aufregung und Hektik der Tage legen. ✨ Es war gut und es war lecker, trotzdem hätte ich heute ohne das Gespräch mit @batomae vielleicht nicht die Kurve bekommen. 💫 Aber ich habe mich geöffnet und es tat unglaublich gut 😊Schlaft schön, ihr Lieben 😘 . . #batomae #besterfreund #konzertlesungen #berufkollegs #schule #bkk #bauchgefühl #tour #janacrämer #freundschaft #essstörung #schweigenändertnichts #blogger_de

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Oscar der Kommunikationsbranche

Die Verleihung des SignsAward mit 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft wird von n-tv als der „Oscar der Kommunikationsbranche“ betitelt, das Handelsblatt befand: „Hier werden die Impulsgeber des Jahres gekürt“ und als Julia mir dann sagte, dass wir zehn Minuten Zeit hätten, um auf der Gala einen kleinen Auszug aus unser Konzert-Lesung zu präsentieren, setzte mein Herz für einen Schlag kurz aus. 

Angewiderte Gesichter

Zwischen dem 27. Februar und dem 07. Juni war also noch genug Zeit, um mich verrückt zu machen. Was ziehe ich nur an? Was habe ich zwischen diesen beeindruckenden Persönlichkeiten verloren? Wird es da auch was zu essen geben? Ist es sehr unhöflich, wenn ich nichts davon probiere? Tausend fragen schossen mir durch den Kopf, und so ganz konnte ich mich noch nicht entscheiden, ob ich es schlimmer fänd’, auf dem Weg zur Bühne zu stolpern, dort oben keinen Ton rauszubekommen oder in vor Ekel angewiderte Gesichter zu blicken, wenn unser Musikvideo auf einer riesigen Kinoleinwand gezeigt würde. 

Ihr habt es sicher an meinen Insta-Stories gemerkt, obwohl wir extra einen Tag früher nach München angereist sind, war meine Aufregung grenzenlos. An welchen Insta-Stories? Eben. Batos wurden mehr, meine von Stunde zu Stunde weniger. 

Als wir dann um kurz vor 18:00 Uhr auf dem Weg zur Verleihung waren, ich zum x-ten mal meine Manuskriptblätter gezählt habe (es waren drei, viel konnte da eigentlich nicht schief gehen) und es angefangen hat, laut krachend zu donnern, bevor sich die Straße binnen Sekunden in einen Fluß verwandete, habe ich nur noch die Augen geschlossen.

Grenzenloses Vertrauen

An die Schulter meines besten Freundes gekuschelt, habe ich alles um mich herum ausgeblendet und nur noch seinen ruhigen Herzschlag gespürt. Seine Ruhe und sein grenzenloses Vertrauen in mich, dass ich das gleich schaffe. Ich habe tief durchgeatmet und mir bewusst gemacht, warum wir den Preis verliehen bekommen. 

Wir sollten für unseren Mut ausgezeichnet werden – für unseren „Mut in der Kommunikation“. Dies wäre also der denkbar ungünstigste Abend, um mich unter `ner Bettdecke zu verkriechen. Unter `ner Bettdecke mit ganz vielen Süßigkeiten.

Ich wurde immer kleiner.

Genau dorthin wünschte ich mich aber ehrlich gesagt schon, als die andren Laudationen für beeindruckende Zeichensetzer wie den IOC-Präsidenten Thomas Bach oder Studio71 gehalten wurden. Ich klebte förmlich an den Lippen von Conrad Albert, Tilmann Aretz und Stefan Endrös. 

Schon in der Schulzeit hatte ich die verschiedensten Wege, mich im allerletzten Moment vor einer Präsentation zu drücken, perfektioniert. Kleiner hätte ich in meinem roten Kinosessel also wohl kaum werden können, als Lisa Sophie Laurent vom Studio71 während ihrer mitreißenden Danksagung nicht einmal auf ihren kleinen Zettel spickte. 

Der Moment

Als ich gerade gefühlt mit dem Kinosessel verschmolz, wurden wir angekündigt. „Musik trifft Roman – Batomae & Jana Crämer werden für ihren Mut in der Kommunikation mit dem SignsAward 2018 ausgezeichnet.“ Ich spürte in diesem Moment genau vier Dinge: 1. Mein Herz bis zum Hals schlagen 2. meine zu engen Pumps 3. die Hand meines besten Freundes und 4. Mut. 

Ja, ich spürte den Mut, auf diese Bühne zu gehen und ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen, dass Schweigen nichts ändert und dass wahre Freundschaft niemals durch Herzchen oder Likes ersetzt werden kann. 

Mucksmäuschenstill

Ich habe zwar eine Sekunde überlegt, meinen besten Freund nie wieder aus unserer Umarmung zu entlassen, bin dann aber rüber ans Rednerpult getreten und habe die 300 Gäste für sechs Minuten in meine Welt eingeladen. Ich habe sie eingeladen, in meinen Psychofuck einzutauchen, der sich immer noch viel zu oft ums Vergleichen und  Versagen dreht.

Obwohl es bis in die allerletzte Reihe mucksmäuschenstill war, wagte ich es kaum hochzublicken. Als die ersten Töne des Flügels erklangen und Batomaes Stimme den Saal erfüllte, blickte ich schließlich auf. – Ich schaute in Augen voller Liebe, voller Rührung und schier grenzenloser Anteilnahme an meiner Geschichte. Anteilnahme an meiner Vergangenheit, die in diesem Moment – die komplette Kinoleinwand füllend – in den tiefen Rissen und Narben meiner Haut schonungslos ehrlich zu sehen war.

Ich konnte meine Gefühle nicht länger zurück halten und als auch im Publikum die ersten Tränen kullerten, füllte sich mein Herz mit Stolz. Ich fühlte mich angenommen, wertgeschätzt und im wahrsten Sinne unvergleichlich. In diesem Moment war ich ganz bei uns. Bei mir und meinem besten Freund, der nur wenige Meter von mir entfernt stand und den kompletten Saal in seinen Bann zog. Wo Worte enden, beginnt die Musik. – Und wo die Angst gegen den Mut verliert, wird Geschichte geschrieben. 

„Sie beide werden Geschichte schreiben“

Hatte ich mich früher bei Familienfeiern oder Geburtstagsparties mit meinem Höchstgewicht von 180 Kilo auf der Toilette versteckt und mich möglichst ungesehen bei der ersten Gelegenheit davongestohlen, war dies ein Abend, der bitte nie enden sollte.

Anfangs wich Bato bei der Aftershow nicht von meiner Seite. Je mehr er aber spürte, dass ich mich wirklich wohl fühlte und mir die Begegnungen unglaublich gut taten, desto weiter wurde sein Radius. Mal beobachtete ich ihn mit Tilman Aretz von n-tv.de, dann mit Andreas Briese von YouTube/Google oder Julia Kautz, Tom Beck und Lotte. Und trafen sich unsere Blicke im Getümmel, sah ich diesen Glanz in seinen Augen. Ich glaube, es war eine Mischung aus Stolz und Glück. 

Das hatte ich nicht erwartet.

Ich war mit einem mulmigen Bauchgefühl, ob ich überhaupt Anschluss finden würde, aus dem Auto gestiegen und nun stand ich hier, sprach mit beeindruckenden Menschen über Sterne, die unsere Planten erst leuchten lassen, und dass manche Begegnungen wie Segnungen sind. 

Immer wieder kamen Menschen mit funkelnden Augen auf mich zu, beglückwünschten mich zu unserem Preis oder schlossen mich einfach nur liebevoll in die Arme. So viel Herzlichkeit und Offenheit hatte ich nicht erwartet und als eine Frau, wie sie strahlender nicht hätte gezeichnet sein können, „Sie beide werden Geschichte schreiben“ in mein Ohr flüsterte, bekam ich Gänsehaut.

Danke, YouTube.

Fast wie vor 3 Jahren, als wir am 30. Juli 2015 bei YouTube auf „veröffentlichen“ geklickt haben und das Musikvideo zu „Unvergleichlich“ für alle Welt sichtbar wurde. Niemals hätte ich mir auch nur im Ansatz vorstellen können, wie dieses Video mein Leben verändern sollte.

Schonungslos ehrlich.

Umso glücklicher war ich, als Bato mir Andreas Briese von Google/YouTube vorstellte. Endlich konnte ich mich bei ihm bedanken, dass seine Mitarbeiter unser Video – im Gegensatz zu allen anderen sozialen Netzwerken – nicht gesperrt hatten. Die Mitarbeiter von YouTube suchten den Kontakt, fragten aktiv bei uns nach und erkundigten sich, was hinter dem Video steckt, ob es bereits eine Expertise gibt und entschlossen sich dann, unser Video zu „Unvergleichlich“ für jeden öffentlich sichtbar zu lassen. 

Ja, es braucht Mut, schonungslos ehrlichen Content zu erstellen. –
Ebenso erfordert es Mut, diesen für alle zugänglich zu machen.

Welch` großes Geschenk.

Die Gastgeberin, Verlegerin Christiane Goetz-Weimer, hatte diesen Abend, der mir für immer im Herzen bleiben wird, mit den Worten eröffnet, dass wir mehr miteinander statt übereinander sprechen sollten. Wahre Worte – und in Zeiten von Digitalisierung, Herzchen & Likes zum Glück doch gar nicht so selten, wie ich manchmal denke. 

Der Gastgeber Dr. Wolfram Weimer war der Erste, der mich an diesem Abend höflich begrüßt hatte, und der Letzte, der mich zur Verabschiedung ganz fest drückte. Welch` großes Geschenk die beiden Bato & mir mit dieser Auszeichnung, ja, mit diesem Abend voller Begegnungen gemacht haben, vermag ich wirklich nicht in Worte zu verpacken.

Ein Abend mit ihm.

Inzwischen bin ich zurück in Berlin und der SignsAward18 steht so auf meinem Schreibtisch, dass ich ihn jeden Morgen mit dem ersten Augenaufschlag sehe. Es war ein Abend voller Glücksmomente und es war ein ein Abend mit ihm, dem Mann, der meinen Mut auch dann hervorlockt, wenn er sich ganz weit hinten unter’m Schrank versteckt oder unter’m Kinosessel, kommt ganz drauf an.

Eure Jana,
die nicht eine Sekunde gezögert hat, noch an dem Abend Einladungen zu einem Sommerfest und einer Geburtstagsfeier anzunehmen. Ich freu‘ mich jetzt schon drauf und vielleicht probiere ich dann ja sogar wirklich mal was vom Buffet.

P.S.: Yepp, mein Blogbeitrag ist eigentlich viel zu lang. Das weiß ich, aber ein glückliches Quietschen als Sprachmemo so ganz allein auf der Startseite wäre doch ziemlich komisch gekommen, oder?

Foto Credits: SignsAward / The Home of Content

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4 Kommentare

  1. Nina möntmann Antworten

    Wahnsinn jana! Ich hab auch gänsehaut und Tränen in den Augen gehabt, als ich deinen Beitrag gelesen hab! Ich bin so wahnsinnig stolz auf dich und ihr habt den preis sowas von verdient!!!

  2. Wunderbar geschrieben und gar nicht zu lange danke für deine wunderbaren worte…..es ist immer schön von dir zu lesen…du bist ein fester teil in meinem Herzen…💕💕💕

  3. Liebe Jana! Stolzer kann man nicht sein! Was für eine wundervolle Auszeichnung und was für ein wundervoller Abend! Ich freue mich so für Dich und bin so stolz, dass jemand “ von uns“ so in der Öffentlichkeit auftritt und zeigt, dass eine Essstörung kein Spleen oder Spinnerei ist sondern ein Hunger der Seele. Danke, Jana!

  4. Pingback: #bodypositivity = Legitimation zur Faulheit? - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

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