Nun dauert es gar nicht mehr lang‘, bis der Beitrag heute Abend 22.10 – 22.40 Uhr im WDR Fernsehen bei Frau tv  läuft, und ich bin so aufgeregt wie schon ewig nicht mehr. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich dann überhaupt vor’m TV sitzen möchte, aber ich bin einfach zu neugierig.

Eigentlich bin ich sonst relativ entspannt, was Interviews angeht. Habe ich mich früher schon tagelang vorher bekloppt gemacht, freue ich mich jetzt sogar immer drauf. Yepp, ich finde es unheimlich spannend, wie ich mich nach den Drehs fühle. Es klingt vielleicht komisch, aber richtig gute Interviews sind ein bisschen wie eine Sitzung bei meinem Psychiater.

Dahin, wo’s weh tut.

Und ganz so falsch ist der Vergleich auch wirklich nicht, denn die Fragen der Redakteure und die meines Psychiater haben eins gemeinsam: Sie gehen dahin, wo’s weh tut. Aber – und das betone ich auch immer beim Vorgespräch – ich möchte genau das.

Dann ist das halt so.

Manchmal spüre ich in den sehr emotionalen Momenten ganz besonders bei den jungen Redakteuren eine Unsicherheit, aber wenn ich die Chance bekomme, das Schweigen zu brechen und einmal mehr über diese viel zu unbekannte Form von Essstörungen, das Binge Eating, zu erzählen, will ich sie nutzen. Schonungslos und ehrlich.

Es ist schrecklich, heimlich Unmengen an Lebensmitteln zu vernichten und sich noch während des Kochens zu überlegen, was man nach dem Mittag direkt als nächstes essen kann. Die Gedanken sind da. Immer.

Beim Einkaufen vermied ich es, jemandem ins Gesicht zu schauen. 
Ich hatte Angst. Angst, dass ihre Augen mir zeigten, was sie über mich dachten. 
„Friss doch noch mehr, damit du noch fetter wirst!“ 
Ich konnte die Gedanken der Leute regelrecht hören – 
Und sie hatten ja recht.
Zu Hause, schloss ich mich dann in mein Zimmer ein, 
breitete alles auf dem Bett aus und fing an… 
zu fressen. Zwischen den anderen Sachen immer wieder ein paar Löffel Eis, 
dann rutschte die Masse besser.
Die ersten Male, konnte ich dieses Gelage tatsächlich noch genießen. 
Wie die Schokolade auf meiner Zunge schmolz 
und sich der himmlische Geschmack in meinem Mund ausbreitete. 
Hmmm…. Das sahnige Eis, kalt und cremig, 
und dazu die salzigen Pommes – 
die ich in so viel Soße tauchte, dass sie mir runter auf die Finger tropfte.
Aber… je öfter das passierte, desto mehr Abscheu entwickelte ich 
vor dem Essen.
Ich ekelte mich – vor dem Geschmack, der Konsistenz, 
und der Geruch war mir so zuwider, dass ich würgen musste. 
Und am meisten ekelte ich mich … vor mir selbst… Es dauerte nie lange, bis mir heiße Tränen über die Wangen liefen… 
Trotzdem konnte ich nicht aufhören zu essen. (Jana Crämer – Das Mädchen aus der 1. Reihe)

Ja, wenn‘s dann beim Interview mal weh tut, dann ist das halt so. Ein bisschen weh wird mir der Beitrag gleich wohl auch tun, denn ich stehe nicht da, wo ich mir gewünscht hätte, heute – zwei Jahre nach dem 1. Dreh für Frau tv – zu stehen. Eigentlich wollte schlank, sportlich und völlig tiefenentspannt irgendwo am Wasser liegen, einfach in die Musik von meinem besten Freund abtauchen und an meinem neuen Buch weiter schreiben. Eigentlich.

Ich gebe alles, nur nicht auf.

2015 dachte ich echt noch, dass ich es ohne Therapie schaffe. Ich dachte, dass ich mit Hilfe meiner Ernährungsberaterin abnehme und dann alles gut ist. Schlank = Glücklich war mein Plan. Von diesem Traum musste ich mich verabschieden, denn die Rückschläge kommen leider noch heute. Wenn mich das Leben mal wieder überfordert, verfalle ich in alte Muster und pendle zwischen hungern, fressen und kotzen. Trotzdem: Ich gebe alles, nur nicht auf.

Und so wie ich Stück für Stück lerne, gesund zu essen, dass hungern so gar nichts bringt und Kohlenhydrate auch abends völlig OK sind, lerne ich auch, mich meiner Vergangenheit zu stellen und mir einzugestehen, dass meine Kindheit doch nicht so wirklich der Ponyhof war, wie ich mir lange Zeit eingeredet habe.

Wissen hilft.

Die guten Phasen werden länger, das Wissen mehr und die Gefühlsschwankungen weniger. Und ganz ehrlich? Dafür bin ich fast am dankbarsten, denn mein bester Freund und ich brauchen immer weniger Zeit, um meinen Psychofuck durchzukauen und haben viel mehr Zeit, die Auftritte zu planen, neue Träume wahr werden zu lassen oder einfach mal nur zu quatschen, auf die Spree zu gucken und dabei ein leckeres Eis zu essen. Ja, inzwischen geht sogar das. Zumindest an den besonders guten Tagen.

Kennenlernen.

So gespannt ich auf den Beitrag gleich bin, so neugierig bin ich, ob ich Zuschauerinnen am 15.12. bei unserem Auftritt in Unna bei Dortmund kennen lerne. Mitte Dezember sind wir mit der Konzertlesung und anschließendem Konzert in der Lindenbrauerei zu Gast und vielleicht bekommt ja durch den Beitrag jemand Lust uns zu besuchen.

Batomae & Jana Crämer
Sa, 15.12.18, 20:00 Uhr
Kühlschiff in der Lindenbrauerei
Rio-Reiser-Weg 1, 59423 UNNA

–> Hier gibt’s noch Tickets. *klick*

Sollte also jemand den Beitrag gesehen haben und am 15.12. in Unna dabei sein, freue ich mich, wenn wir nach dem Auftritt quatschen. Und auch wenn ich noch nicht weiß, wie weit ich dann schon auf meinem Weg bin, ob ich in der Zeit grad ’ne gute oder doch wieder ’ne miese Phase habe, ganz sicher kann icheins  jetzt schon sagen: An diesem 15.12.2018 möchte ich an keinem anderen Ort sein als mit Euch in Unna. 

Fühlt Euch gedrückt,
Eure Jana 

Für alle, die den Beitrag verpasst haben, gibt’s ihn hier in der Mediathek:

https://www.ardmediathek.de/tv/Frau-tv/Janas-Weg-Endlich-normal-essen/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7535528&documentId=53830452

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