Ihr Lieben,
ich bin nicht nur unsportlich, nein, ich scheue wirklich jeden Wettkampf. Hier ist es mir auch völlig egal, ob zwei Mannschaften gegeneinander antreten oder ob es um den direkten Vergleich geht. Obwohl, nein, so ganz egal ist es mir dann doch nicht. Der Gedanke, gemeinsam mit anderen als Team antreten zu müssen, ist schlimmer. Viel schlimmer. Denn in diesem Fall bin ich nicht nur für mein eigenes Scheitern verantwortlich, sondern schwäche durch meine schlechte Leistung gleich das ganze Team.

Teamplayer

Mein bester Freund ist auch in diesem Punkt das krasse Gegenteil von mir. Mannschaftssport und Wettkampf lassen Batos Augen glänzen. Er ist ein absoluter Teamplayer und mit Wettkampfsituationen aufgewachsen – ja, und an ihnen gewachsen. Hm, vielleicht ist er deshalb locker `nen ganzen Kopf größer als ich?! 

Auf der Ersatzbank

Nein, im ernst. Ich denke wirklich, dass es mir sehr gut getan hätte, mich auch mal mit anderen zu messen. Ja, vielleicht wäre ich bei der Auswahl beim Schulsport immer die Letzte auf der Bank gewesen. Ja, vielleicht wäre ich auch diejenige gewesen, die deutlich mehr Niederlagen als Siege eingefahren hätte. Ja, auch bei den Bundesjugendspielen hätte ich vielleicht nur `ne Teilnehmerurkunde bekommen. Aber ganz sicher würde ich dann heute viel seltener nur daneben stehen und zuschauen. 

Ich habe es nie gelernt. 

Während die anderen Mädels vor’m Schulsport noch schnell die Unterschrift auf der Entschuldigung gefälscht haben, konnte ich schon entspannt durchatmen. Mein Attest vom Arzt galt schließlich immer für ein komplettes Halbjahr. 

Mein Asthma bewahrte mich vor Völkerball, jedem Zirkeltraining oder Bockspringen. Auch beim Schwimmen konnte ich im Trockenen bleiben. Yepp, ne Chlorallergie hatte ich nämlich auch. Damals fühlte es sich wie ein Sechser im Lotto an, heute bekomme ich die Quittung.

Ich taste mich langsam ran.

Seit einiger Zeit gehe ich jeden Tag ein Risiko ein und mache etwas, wovor ich eigentlich Angst habe. Oder zumindest großen Respekt. Das kann alles sein. Über eine wackelige Brücke gehen, mir eine Verfilmung von Sebastian Fitzek im Kino anschauen, auf einer Mauer sitzen (wobei hier eher das hochklettern das Problem ist) oder zu einer Veranstaltung gehen, wo ich niemanden kenne.

Ich suche mir kleine Herausforderungen und schaue, was passiert. OK, seit dem Sturz von der Leiter zwar mit blauem Knie, aber die Höhenangst kriegt mich nicht klein. Es geht vielleicht nicht immer gut, aber ich habe immer überlebt. Ich taste mich ran und merke ja auch, dass es besser wird. Stückchen für Stückchen. 

Mittwoch um 17:30 Uhr war es dann so weit. Der Gutschein lag seit dem 13. Juni unter meiner Schreibtischunterlage, gestern habe ich ihn endlich eingelöst – ich habe es getan: Ich habe Minigolf gespielt. Um genau zu sein: Schwarzlicht-Mini-Golf. Yepp, so richtig. Mit Abschläge zählen, Punkte aufschreiben und Sieger küren. Für viele das reinste Vergnügen und was soll ich sagen? Für mich seit gestern auch. 

Es hat Spaß gemacht

Auch wenn Nils, Karl und Bato mir 20 Geburtstags-Bonuspunkte geschenkt haben, war ich natürlich nicht wirklich oben auf dem Siegertreppchen. Aber ich habe gewonnen, zumindest innerlich. Ich habe meine Angst besiegt, habe nicht nur daneben gestanden und zugeschaut. Ich habe mitgemacht und ich habe sogar die Kuhglocke an der 18. Bahn zum Läuten gebracht. Siegerpose? Check. 

Und was soll ich sagen? Gäbe es einen Weltrekord des Jubelns… ich hätte gute Chancen, ihn zu gewinnen. 

Liebe Grüße,
Eure Jubel-Jana

Autor

5 Kommentare

  1. Hallo Jana,
    ich habe Schulsport gehasst. Ich wurde meistens als letzte gewählt beim Mannschaftssport. Sobald es um laufen, werfen, springen, Bodenturnen und Geräte ging, war ich die erste von Hinten.

    Nur im Tischtennis habe ich Sie alle platt gemacht. Oft stand ich auf dem Treppchen und mein Verein hinter mit. (Das war schön)

    Und heute mach ich nur noch Sport für mich alleine, weil mich dann niemand sehen muss, aber es ist Qual und nicht Spaß.

    Danke für deinen neuen Blogeintrag. Der macht wieder Mut, und vielleicht wage ich ja auch mal wieder mehr…. Liebe Grüße Jule

    • Liebe Jule, wie wunderbar, dass das Tischtennis Dir so ein gutes Gefühl geben konnte. Nein, viel mehr, dass Du es Dir selbst geholt hast, indem Du Dich nicht hinten angestellt hast, sondern ganz vorne gezeigt hast, was Du drauf hast. 🙂 Liebe Grüße, Jana

  2. Pingback: Wie fühlt sichBinge-Eating an,Jana? - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

  3. Liebe Jana,
    Ich habe den Schulsport geliebt, das Umziehen aber gehasst. Ich war sportlich – habe in der Freizeit viel Sport gemacht – aber schlank war ich deshalb nie. Ich habe schon damals Fressflashes gehabt, nur nie gewusst was das heisst. Schlank macht nicht glücklich – das unterschreib ich sofort. Ich habe gelernt, was mit mir passiert, wenn ich mein Leben nicht in den geplanten Weg bekomme-wenn mein Alltag mir ein Bein stellt. Aber ich arbeite seit ein paar Jahren daran, mir nicht mehr meine Gedanken, Ansichten oder Entscheidungen vorschreiben zu lassen – mich selbst zu finden, zu begreifen und irgendwann vielleicht selbst zu mögen.
    Liebe Jana, dein Weg scheint noch weit in deinen Augen, aber dreh dich mal um, schau zurück auf den langen und schweren Weg der schon hinter dir liegt. Du hast viele Leben mit deinem Buch, deiner Geschichte und deiner Offenheit berührt, zum nachdenken gebracht und mache (wie mich) dazu gebracht die Tatsachen nicht mehr einfach hinzunehmen sondern (Aus-)Wege zu suchen.
    Danke, dass du „einfach“ du bist! ❤️ Viele Grüsse aus der Schweiz Susann

    • Liebe Susann, Danke für Deine Erinnerungen und ganz lieben Dank für den Mut, den Du mir zusprichst. Deine Zeilen sind ein Geschenk. Alles Liebe für Dich und Deinen Weg, Deine Jana

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