Ihr Lieben,
diese Frage bekomme ich immer wieder in Interviews gestellt und ich möchte mal versuchen, dieses Gefühl in Worte zu fassen, obwohl ich es selbst nicht wirklich begreifen kann. Genau das scheint nämlich auch genau der Punkt zu sein. Eine Essstörung hat nichts mit Sinn und Verstand zu tun.

Credit: Ben Wolf

 Wie es sich anfühlt.

Alle Sinne werden abgestellt und mein Verstand setzt in diesen Momenten völlig aus. Es sind die Momente, wenn ich gerade noch dabei bin, mir mein Mittagessen zu kochen und noch während ich den Pfannkuchen wende, darüber nachdenke, was ich anschließend essen kann.

Binge-Eating ist der hoffnungsvolle Blick ins Portemonnaie, ob das Geld für einen Fressflash reicht. Das genaue Durchrechnen, ob es gleich zum guten Bäcker oder doch an die Selbstbedienungstheke beim Discounter geht.

Binge-Eating sind die Situationen, in denen ich, während ich auf dem Weg zu einem Abendessen mit meinem besten Freund bin, noch schnell beim Bäcker reingehe, um mir zwei Brezeln, einen Nougat-Ring und zwei Kokosmakronen für den Weg zu kaufen. 

Binge-Eating ist das genaue Hinhorchen, wenn ich in der Backstage sitze und hoffe, dass er und seine Band erst vom Soundcheck zurück kommen, wenn ich die Tafel Schokolade komplett vernichtet habe. 300 g purer Zucker, den ich binnen 3 Minuten hinunterschlinge, und mich hinterher frage, ob es dunkle oder weiße Schokolade war.

Binge-Eating ist mein Spiegelbild, das mir mit hängenden Hautlappen, tief gerissener Haut und aschfahlem Teint  ganz deutlich zeigt, was ich mir wieder angetan habe.

Binge-Eating sind meine ständigen Gedanken, die sich ums Hungern, Fressen & Kotzen drehen. Das Kalorienzählen und grammgenaue Abwiegen. Es ist die Angst, von Freunden zum Essengehen eingeladen zu werden oder der Glaube, dass eine Crash-Diät tatsächlich eine Lösung sein kann.

Eine unstillbare Gier

Es sind die Schmerzen in meinem vollgestopften Magen, die mich spüren lassen, dass da etwas nicht in Ordnung ist. Es ist kein Frustfressen, keine Langeweile, kein Appetit, es ist die pure Überforderung. 

Ja, es ist meine Überforderung, wenn es mal nicht genau nach Plan läuft. Meine Angst, ihm plötzlich egal zu sein, wenn ich auf eine Antwort auf meine WhatsApp Nachricht warten muss. Meine Sorge, nicht auszureichen oder nicht gut genug zu sein, wenn mich jemand kritisiert.

Aber es sind auch die Lichtblicke, in denen ich anerkenne, dass ich durch meine Ernährungsberaterin Sandra schon sehr viel über gesunde und ausgewogene Ernährung gelernt habe. Ich weiß, dass es keine Unwissenheit ist, die mich 10.000 Kalorien verschlingen lässt. Es ist eine Gier, die sich nicht durch Essen befriedigen lässt.

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Mein Abendessen… und ich sehe es als das, was es ist: Nichts im Vergleich zu früher. 🙏🏽 Ich weiß genau, warum ich das jetzt gerade „brauche“. Es ist kein Rückschritt, sondern nur ein kleiner Umweg. ✨ —————————————————— —> www.endlich-ich.com 😋 —————————————————— #janacrämer #rezept #blogger #blogger_de #pronovabkk #bingeeating #bingeeatingdisorder #essstörung #abnehmen #gesundessen #gesund #essen #restart #leben #ernährung #lecker #motivation #genuss #bauchgefühl #appetit #veggie #vegetarier #pizza #schokolade #joghurt —————————————————— —> Link zum Blog in der Bio ✅

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Schlank sein, macht nicht glücklich.

Es ist dieses Kribbeln im Bauch, wenn ich merke, dass sich mein Wohlfühlgewicht langsam aber sicher einstellt, wenn ich mich wohl fühle. Nicht umgekehrt. Schlank sein, macht nicht automatisch glücklich – Aber glücklich sein, macht schlank.

Es ist das gute Gewissen, wenn mir meine Krankenkasse den Beitrag für einen Präventionskurs zurückerstattet, weil ich mir etwas Gutes getan und Zeit in meine Gesundheit investiert habe.

Es ist das Lächeln in meinen Augen, wenn ich im Kalender entdecke, dass ich mit meinem Therapeuten schon direkt einen neuen Termin für die kommende Woche ausmachen kann, weil er mir hilft, wenn mein bester Freund und ich an unsere Grenzen stoßen.

(K)ein ständiger Begleiter.

Und genau das ist Binge-Eating auch: Meine Essstörung begleitet mich auf meinem Lebensweg, ein Stück des Weges ganz dicht an meiner Seite, dass sie mich fast erdrückt, in anderen Monaten beobachtet sie mich aus weiter Ferne. Manchmal suche ich sogar nach ihr und frage mich, ob sie mich alleingelassen hat, weil sie mir irgendwie fehlt. 

Und irgendwann lasse ich sie auf einer ruhigen Bank am Rand meines Weges sitzen. Einfach so. Kein „Bis Bald“, kein „Auf Wiedersehen“, nicht mal ein „Tschüss“, denn ich werde sie einfach vergessen, weil es mir gut gehen wird und ich sie dann nicht mehr brauche.

Eure Jana

Du erkennst Dich in diesen Zeilen wieder? Hier findest Du professionelle Hilfe, wenn Du magst auch anonym: https://www.bkk-bauchgefuehl.de

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1 Kommentar

  1. Liebe Jana, was für ein toller Beitrag! Wohlfühlen macht schlank. Was für eine super Aussage! Unterschreibe ich sofort. Du hast mich gerade zum Weinen gebracht! Hab einen schönen Tag!

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