Ich habe meine große Schwester beklaut, damit ich mir die Sneaker kaufen kann. Sonst wäre ich nicht mehr ihre Freundin, da bin ich mir sicher.

Sina, 12

Es ist so viel, dass ich keine Ahnung habe, wo ich überhaupt anfangen soll. Ich werde doch eh wieder versagen.

Timur, 17

Seit sie dieses Video von mir haben, mache ich nachts wieder ins Bett. Ich habe Angst, dass meine Mutter es irgendwann merkt. Ich wollte doch nur dazu gehören. Ich schäme mich so.

Yasmin, 17

Wenn ich den Raum betreten, verstummen die Gespräche. Die Plätze neben mir sind immer frei.

Jona, 14

Wenn ich sie nicht verprügelt hätte, weil sie mich angeschaut hat, würden mich die anderen nicht mehr respektieren. Respekt ist das wichtigste. So ist das leider.

Sara, 16

Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich ein Opfer. Meine Eltern haben Recht, ich bin ein Versager.

Tarik, 15

Der heult eh bei jeder Kleinigkeit und ruft seine Eltern. Ich zeige ihm, dass sie ihn nicht beschützen können. Niemals! – Meine Eltern würden doch auch nicht zur Schule kommen. Ich bin denen egal.

Tobi, 16

Ich glaube nicht, dass es noch mal besser wird. Manchmal möchte ich einfach nicht mehr leben. Wenn ich abends ins Bett gehe, wünsche ich mir, dass ich nicht wieder aufwache. Das wäre schön.

Isabella, 14

Albtraum Schule.

Das sind nur ein paar Zitate, die mir Schüler von Privatschulen über Realschulen und Gymnasien bis hin zu Berufskollegs in diesem Jahr anvertraut haben. Gesprächsfetzen, die mir immer wieder in den Sinn kommen und mir ein Gefühl von Ohnmacht geben. 

Sie machen sich das Leben gegenseitig so sehr zur Hölle, dass die einen nur noch mit Bauchweh im Bett liegen, und sich die anderen kaum noch selbst in die Augen schauen können. Das wohl Verrückteste daran ist, dass ich nichtmal sagen kann, mit wem ich mehr Mitleid habe. 

Ist es die Gesellschaft mit all ihren unerreichbaren Idealen, unerfüllbaren Erwartungen, überhöhten Ansprüchen und maßlosen Anforderungen, die uns so sehr zerreißt…? Oder haben wir wirklich verlernt, gut von böse und richtig von falsch zu unterscheiden? 

Einfach war es nie.

Es gab schon immer die Coolen, die Streber und die Opfer. Aber es gab auch immer jemanden, der die Reißleine gezogen hat und eingeschritten ist. Wenn jemand am Boden lag, musste man nicht noch nachtreten. Es gab schon immer falsche Werte, kranke Ideale und bescheuerte Trends.

Aber wann haben wir aufgehört, uns dagegen zu wehren?

Eure nachdenkliche Jana,
die so unbeschreiblich dankbar ist, auch solche Schul-Bilder wie in diesem Video hier mit nach Hause zu nehmen.

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5 Kommentare

  1. Kenn ich nur zu gut… Leider musste ich es heute schon wieder erleben… Ich finde es schlimm, dass Kinder bzw. Jugendliche andere erniedrigen müssen, damit sie über anderen stehen.

    • Tut mir leid, dass Du das erlebt hast. Schon wieder. Ja, es stimmt, wer andere erniedrigt, ist selbst so klein, dass er keinen anderen Ausweg sieht. Ich wünsche Dir, dass morgen ein bessere Tag ist. Liebe Grüße, Jana

  2. Ulrike Schurig Antworten

    Hallo Jana!

    Ich kann deine Nachdenklichkeit bei diesem Thema gut verstehen.
    Ich habe es selber 6 Jahre lang in der Schule erfahren müssen, wie weh es tut erniedrigt, gemobbt und sogar körperlich angegriffen zu werden. Dass hinterlässt tiefe Spuren in der Seele, an denen ich heute noch knappere.
    Ich habe dadurch Probleme auf andere zu zugehen. Leider hat mir bei meinem Problem auch kein Erwachsener geholfen. Die die Helfen wollen, sind abgeschmettert wurden.

    Liebe Grüße Ulrike

  3. Liebe Jana, leider sieht die bittere Wahrheit so aus, daß Menschen dazu neigen den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Die meisten erleben demnach vielleicht noch Scham, sich an die zu halten, die Angst und Schrecken aus Schwäche verbreiten, nur um nicht selbst eine(r) der Betroffenen zu sein. Die Masse sieht lieber weg als einzugreifen. Wie das Sprichwort lautet :Der Fisch fängt am Kopf das stinken an. Wenn es also jemanden gibt, der den Mut hat dem Kopf entgegen zu treten ist das Problem schon fast behoben. Nur leider ist Mut heutzutage nicht mehr sehr verbreitet. Man kann nur als gutes Beispiel voran gehen und hoffen das einem jemand folgt. Das Leben jedes einzelnen Menschen besteht aus sovielen Facetten. Schlimm wird es nur dann wenn einem Menschen jegliche Empathie Respekt Akzeptanz und Toleranz verloren gegangen ist. Und egal welches eigene Leid man erfahren hat, es ist und wird nie eine Legitimation sein, andere Menschen seelisch und körperlich zu verletzten.

    Liebe Grüße Lill

  4. Ich habe einen Sohn, er ist 6 Jahre alt. Ich habe vor beiden Seiten Angst. Dass er von seinen Mitschülern irgendwann zum Opfer „erkoren“ wird. Aber auch, dass er einer von denen wird, die andere fertig machen. Ich hoffe, dass mein Mann und ich es schaffen, ihn selbstbewusst und verständnisvoll genug zu erziehen, dass er keine Fläche für Mobbing bietet aber auch sieht und versteht, wie armselig es ist, andere durch die Hölle zu schicken, um sich selbst gut zu fühlen.
    Ich wurde gemobbt. Ich habe es ausgehalten, denn ich hatte trotzdem immer gute Freunde an meiner Seite, die mich gestützt und aufgebaut haben. Schön war es trotzdem nicht. Und es ist nicht unvergessen, vor allem das Gefühl der Hilflosigkeit. Egal wie man sich verhält, Nichts ist richtig. Wehrst du dich, machen sie sich über dich lustig. Lässt du alles ruhig über dich ergehen, machen sie dich immer weiter fertig.
    Ich wünsche mir so sehr, dass mein Sohn diese Erfahrung niemals machen muss. Aber das liegt nicht in meiner Hand.
    Britta

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