Dass ein Neuanfang schwer ist, ist ja gut und schön. Nervig wird’s nur, weil ich ihn gefühlt schon zum 1000. Mal wage. Ihr habt’s in meinen Stories bei Instagram und Facebook gesehen, es ging ne ganze Zeit gut mit dem Essen. Sogar richtig gut. 

3 Mahlzeiten täglich + was Süßes: Insgesamt etwa 2.300 Kalorien, also 5-10 % unter meinem Leistungsumsatz. Alles so, wie es meine Ernährungsberaterin Sandra von der pronova BKK für eine langfristige Gewichtsreduktion empfiehlt.

Kein Psychofuck

Sogar unsere Tour, bei der es einfach mal unmöglich ist, feste Essenzeiten einzuhalten, habe ich gut gemeistert. Kein Psychofuck, kein Stress, kein Druck und kein Drang nach mehr. So sehr ich es mag, meine Zeit nur für mich zu haben, so sehr genieße ich es, mit Batomae und seiner Band unterwegs zu sein. 

Trotz den stressigen und wirklich sehr langen Tagen, mag ich die Energie der Jungs. Jeder schaut auf den anderen, hier ein nettes Wort, wenn ich mein Shirt zurecht-zuppel, da eine helfende Hand, wenn der Koffer zu schwer ist. Es tut gut, umgeben von lieben Menschen zu sein und abends ein Konzert zu erleben, das die Seele streichelt.

Die Abrissbirne

Alles war perfekt und ich bin leider die Heldin darin, Dinge einzureißen, wenn sie fertig da stehen. Ganz wie früher, wenn mein Dad am Strand von Domburg für meine My Litte Ponys eine Sandburg gebaut hat. Ich habe sie niedergetrampelt. – Ich wollte nicht, dass dieser friedliche Moment endet. Ich wollte, dass mein Dad viel Zeit und Liebe in den Wiederaufbau der Sandburg steckt, denn das hat er getan, jedes Mal wieder. Es war erst vorbei, wenn ich es wollte.

Ich bin sicher, mein Dad war manchmal genau so genervt von mir, wie ich von meiner Essstörung, die in den letzten Tagen auch mal wieder alles eingerissen hat, was ich aufgebaut habe. Ich habe das Gefühl, meine Essstörung schreit einfach nur nach Aufmerksamkeit, wie ich es früher getan habe. Mein Dad hat mir dann Zeit und Liebe geschenkt. Meine Essstörung bekam in diesen Phasen von mir immer Disziplin, Druck und Verzicht.

Damit ist nun Schluss.

Ich werde es jetzt anders machen. Ich werde meine Essstörung heulend, trampelnd auf dem Boden liegen lassen und mir Gutes tun. Kein Zwang, Verzicht und Druck, sondern Struktur, Regelmäßigkeit und Liebe. Mir geht es besser, wenn die Grundmauern wieder stehen. Sie stützen mich und geben mir Halt. Mit ihnen kann ich mein Leben und das Essen genießen.

Ich möchte mich bemühen, den Wiederaufbau wie ein lebenslanges Projekt zu sehen: Auch wenn die Mauern stehen, und es allen Grund gäbe, das zu feiern, möchte ich versuchen, es eher als Einweihungsparty und nicht nicht als Abrissparty zu sehen. 

Nur weil es sich fertig und gut anfühlt, muss es nicht vorbei sein. Nach und nach kann ich meine Stützfeiler verkleiden, bemalen und  tapezieren … ganz wie bei einem Haus. Es einrichten, schmücken und sicher auch mal umbauen, wenn es mir zu klein geworden ist. 

Also, liebe Essstörung, wir werden immer miteinander zu tun haben, miteinander Zeit verbringen und aneinander wachsen. Und du kannst ja auch gerne mal zu einer Party vorbei kommen, aber bitte lass die Abrissbirne zu Hause.

Auf gute Nachbarschaft
Deine Jana

Autor

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.