Wenn ich in den Spiegel schaue und mich mit meinem Bild von noch vor wenigen Jahren vergleiche, sehe ich den Unterschied. Ganz deutlich. Und inzwischen ärgere ich mich sogar, dass ich alle Fotos aus der wirklich krassesten Zeit mit 170 Kilo vernichtet habe.

Es gab eh nicht sonderlich viele Fotos von mir, da ich meist diejenige war, die hinter der Kamera stand. Was weniger daran lag, dass ich besonders gute Fotos machen konnte. Es war vielmehr die beste Methode, mich vor der Wahrheit zu drücken. Damals haben Fotos, anders als heute mit den ganzen voreingestellten Optimizern, noch nicht gelogen.

Noch mehr als vor Fotos, habe ich mich nur vor Gefühlen gedrückt. Es gab für mich zwei gut erprobte Methoden, mit Emotionen umzugehen: Sie mit Essen zu betäuben oder sie wegzulächeln. Erst neulich hat mir ein alter Schulfreund geschrieben „Mensch, wie dumm ich war. Damals, zu Schulzeiten, war ich wohl einfach echt blind und viel zu egoistisch um zu merken, was sich hinter Deiner stets gut gelaunten Fassade aufstaute.“

Der erste Mensch, der es wirklich geschafft hat, mein Vertrauen zu gewinnen, dass ich meine stets lächelnde Maske ablegen konnte, war Batomae. Ich habe noch nie einen Mann kennen gelernt, der so genau hinschaut, hinhört und hinfühlt. Würde man ihnen klonen und die entschiedenen Positionen der Weltherrschaft mit ihm besetzen, wäre diese Welt eine sehr viel glücklichere. Ich weiß, dass er beschämt den Kopf schütteln würde, wenn er das hier grad lesen würde.

Er wird es aber nicht lesen, denn wir sind mitten im Probemarathon für unsere „In Gedanken“ Tour  und genau dort ist es gerade passiert. Wir haben Musik und Text zum ersten Mal verschmelzen lassen. Gefühle und Gedanken, über die ich inzwischen ohne Angst und Scham in Interviews sprechen kann, haben mich plötzlich doch zum Weinen gebracht.

Als Bato mich in den Arm genommen hat, konnte ich erst nicht verstehen, warum ihn mein Gefühlsausbruch so gar nicht erschrocken hat. Im Gegenteil, er schien regelrecht gerührt zu sein. Mich hat es hingegen eiskalt erwischt, da ich wirklich dachte, ich sei eigentlich schon viel weiter. Vielleicht bedeutet aber genau das, schon weiter zu sein. Schmerzende Gefühle hochkommen zu lassen und auszuhalten, statt sie wegzulächeln.

Gar nicht so viel später sind heute diese Fotos entstanden und ich werde sie ganz bestimmt nicht vernichten. Weil sie mich an einen Tag erinnern, an dem ich ein ganzes Stück weiter auf meinem Weg gegangen bin. Auf meinem Weg,  endlich ich zu werden. Ganz ohne Optimizier, dafür mit einem Lächeln im Gesicht.

Habt einen schönen Tag,
Eure Jana

 

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5 Kommentare

  1. Tanja Bukowski Antworten

    Ach Jana so ein Gefühlausbruch muss manchmal sein. Bei mir ist im Moment nur funktionieren angesagt und wenn dann kommt es als angestaute Wut raus die die Falschen abkriegen wie mein Schatzi. Und ich merke wie es mir geht will aber sie nicht damit belasten. Ich weiss das das scheisse ist aber ich muss gerade erstmal mit mir ins Reine kommen. Die Foros sehen so toll aus. Du siehst toll aus. Dein Lachen steckt an. Und Bato der ist eh der beste. Bato muss Bundeskanzler werden ?. Ich hab nun endlich dein Buch die CD und den Zipper bestellt. Nun kann Wuppertal kommen. Sag mal kann man euch auch schreiben oder was schicken ? Hätte da so ein paar Ideen??

    • Du kannst es uns gerne in Wuppertal geben. Da freu’n wir uns. Liebe Grüße, Jana

      • Tanja Bukowski Antworten

        mal gucken*grins* dann muss ich ja schon anfangen zu planen, ist ja nicht mehr so lange, noch 1 1/2 Monate, das geht jetzt ruckzuck.

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