Zwischen Lachen und Weinen liegt manchmal nur ein Song – Und zwischen „Halsabwärts ist da gar nichts schön“ und „heute fühle ich mich wohl in meinem Körper“ manchmal nur ein paar Wochen. Nun sitze ich hier vor meinem Rechner und versuche, Revue passieren zu lassen, was zwischen dem Interview bei gofeminin und diesem Post bei Instagram passiert ist. 

Gab es vielleicht diesen einen Schlüsselmoment, der alles verändert hat? Falls ja, habe ich ihn zwischen Ernährungsumstellung („Jana, Du isst zu wenig„), Bewegung („Wie deine rote Kalorienbilanz wieder grün wird„) und Therapie („Ein Kind zu verwöhnen ist genau so schlimm wie…„) wohl irgendwie verpasst.

Spulen wir also mal langsam zurück. Ich war vor einigen Wochen bei gofeminin in Köln und wurde mit der wundervollen Aktion #MehrAlsDuDenkst überrascht. Frauen, die mich vorher noch nie in ihrem Leben getroffen haben, sollten mich beschreiben. Dazu wurden ihnen Bilder von Instagram, aber auch Nacktfotos von meinem Blog gezeigt. 

Das Video mit den Reaktionen und Kommentaren der Frauen hat mich zu Tränen gerührt. Ihr kennt mich, wenn ihr mir nach den Konzert-Lesungen mit so viel Liebe und Komplimenten gegenübertretet, bin ich ja auch immer ziemlich nah am Wasser gebaut. Eure Worte treffen mich immer wieder im Innersten, weil ich Euch glaube, dass ihr sie genau so meint.

Unvergleichlich

Der erste, der es geschafft hat, an meiner Mauer aus Abgeklärtheit und Ich-stelle-mein-Herz-auf-Durchzug zu kratzen, war mein bester Freund Batomae. Okay, nein, er hat nicht nur gekratzt. Er hat meine Mauern der Überzeugung, dass ich ekelig, abstoßend und widerlich bin, in ihren Grundfesten erschüttert, als er mir „Unvergleichlich“ geschrieben hat. 

Genau dieser Song lief dann auch in meinen EarPods, als ich nach dem Interview bei gofeminin auf dem Weg nach Hause war. Ich höre das Lied immer, wenn ich emotional aufgewühlt bin. Es fängt meine Gedanken und Gefühle ein und legt sich wie eine schützende Decke um mich. Yepp, bei der Hitze nicht die schönste Vorstellung, aber ihr wisst, was ich meine.

Die innere Hymne 

Ich war überrascht, wie schnell ich wieder auf meiner emotionalen Wohlfühl-Temperatur war und habe mit „Niemand ist wie du“ den nächsten Song meiner „Seelenstreichler“ Playlist angewählt. Kennt ihr diesen einen Song, den ihr Tag und Nacht hören könnt, ohne ihn leid zu werden? Diesen einen Song, der in Dauerschleife läuft, beim Kopfkino auf Play drückt und nichts als ein gutes Gefühl auf der Haut hinterlässt?

Niemand ist wie du

Ich habe inzwischen jede einzelne Textzeile analysiert, seziert und inhaliert. Wieder und wieder läuft dieser Song und, nein, anders als viele schon vermutet haben, hat Batomae ihn nicht für mich geschrieben. Hm, auch wenn ich hoffe, dass ich bei der 2. Strophe vielleicht doch  ein kleines Gastspiel in seinem Unterbewusstsein hatte. 

Andere Menschen hören Hypnose-Hörbücher, Selbst-Optimierungs-Podcasts oder flüstern ihrem inneren Kind ein „Du bist schön“ – Mantra ins Ohr. Und ich? Ja, ich höre diesen einen Song, wieder und wieder und irgendwann wurde aus dem Fußwippen ein Mitsingen und aus dem Mitsingen ein Verinnerlichen. Ja, und aus dem Verinnerlichen dann ein Gefühl.

Ich wünsche jedem von Euch, dass er irgendwann seine innere Hymne findet. Und bis es so weit ist, teile ich meine von Herzen gern mit Euch und kann es nicht erwarten, sie am 14.12. mit ganz vielen von Euch nach unserer Konzert-Lesung gemeinsam beim Konzert zu singen. So laut, dass uns die ganze Stadt hört.

Und ich wünsche mir so sehr, dass wir dann alle jemanden direkt neben uns oder am Telefon haben, dem wir genau dieses Kompliment machen möchten. Ja, dass wir jemanden haben, dem wir sagen möchten: Niemand ist wie Du ❤️ Denn ich glaube ganz genau das ist der Schlüssel: Sich selbst und anderen viel, viel öfter Komplimente zu machen, denn wir sind alle viel mehr, als wir selbst denken.

Alles Liebe & fühlt Euch gedrückt,
Eure Jana

Autor

5 Kommentare

  1. Hey Jana, keine Ahnung ob du das liest aber ich habe grade auf YouTube eine Doku über dich gesehen und ich bin sooo beeindruckt! Wow! Du bist so stark und mutig:) ich habe zwar keine Essstörung aber ich frage mich oft ob es „normal“ ist so zu essen wie ich das tue… ich bin eine normalgewichtige Teenagerin, früher war ich dünner, manchmal habe ich Angst vor der Waage. Ich glaube solche Gefühle haben viele in meinem Alter. Trotzdem stehe ich manchmal vor dem Spiel und denke mir „du bist wirklich schön“. Irgendwie konnte ich mich mit dir identifizieren, also nicht ganz aber ich verstehe das irgendwie. Ich habe Angst dass mir sowas auch noch passiert und ich da dann nicht so toll mit umgehen kann wie du… Ich hoffe ich kann auf meinen Körper gut aufpassen:) jedenfalls wollte ich dir eigentlich nur danke sagen und dir irgendwie was positives zurück geben weil ich glaube du gibts so vielen vor allem so vielen jungen Mädchen würde ich behaupten so unglaublich viel? ich wünsche dir alles alles Gute und bin zuversichtlich für dich dass du die Krankheit irgendwann endgültig besiegen kannst?

    • Ob ich das hier lese? So liebe Zeilen lese ich nicht nur einmal… Ich danke Dir, Lynn. Alles Liebe, Deine Jana

  2. Pingback: Zwischenfälle - Jana Crämer – Blog – Endlich Ich

  3. Hallo Jana,

    ich kann mich in so, so vielen Beiträgen von dir Wiedererkennen.
    Und ich bin, auch trotz meinen „Zwischenfällen“ so glücklich, dass ich mittlerweile so positiv über meinen Körper denken kann.

    Es gibt Tage, da stehe ich vor dem Spiegel und mag mich nicht nur. Ich liebe mich. Ich lache mich selbst im Spiegel an und bin glücklich. Glücklich das ich hier sein darf und glücklich, dass ich auf einem guten Weg bin.

    Wenn es mal wieder bergab geht, schaue ich gerne hier rein und fühle mich durch deine positive Art bestärkt.

    Mach weiter so! Du bist eine unglaublich tolle, inspirierende, starke Frau für mich!

    Alles Liebe,

    Katharina

    • Liebe Katharina, wie wundervoll, dass Du so fühlst und wie toll, dass du es mir schreibst. So kann ich mich mit dir freuen, was du geschafft hast, ist etwas, was ich mir wünsche, denn das mit dem „selbst lieben“ spüre ich noch nicht, aber manchmal „lieb haben“ … zumindest ein Anfang. Alles Liebe, Deine Jana

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