So viele Jahre habe ich mir mit Hungern, Fressen und Kotzen das Leben zur Hölle gemacht und ich hatte mir doch so fest vorgenommen, dass ich nie wieder in meinem Leben fasten würde. 

Früher habe ich Null-Diäten gemacht, um für einen ganz bestimmten Anlass wieder in meine Hose zu passen. In meine Hose, die ich mir doch erst einen Monat zuvor gekauft hatte und die trotzdem schon wieder zu eng saß. Was leider nicht am zu heiß waschen lag. Bei Shirts aus Baumwolle konnte ich sie immer noch mit beiden Händen in die Breite dehnen,  bis sie wieder passten. Bei Stretch-Hosen ging genau das leider nicht. Die waren gnadenlos.

Eine Geburtstagsfeier, ein Konzert meiner Lieblingsband oder wenn in der Schule fürs Jahrbuch die Fotos gemacht wurden. Ich war die klassische Event-Abnehmerin. Stand ein besonderer Tag an, habe ich Tage vorher einfach mal gar nichts gegessen und mir eingebildet, dass das eine ziemlich schlaue Idee sei.

Dass ich durch das Fasten kein Fett, sondern nur Wasser verlor, war mir in dem Moment ehrlich gesagt ziemlich egal. Hauptsache war, dass der blöde Knopf von der Hose endlich wieder zuging und ich nicht schon wieder neue Klamotten kaufen gehen musste. Neue Klamotten in schon wieder einer Nummer größer, denn nach dem Fasten kam das große Fressen und mit dem großen Fressen der gewaltige Jojo-Effekt.

So ging das, bis ich meine Ernährungsberaterin kennen gelernt habe und mir vorgenommen habe, ihr zu vertrauen. Sandra von der pronova BKK ist nicht nur unglaublich nett, sie hat auch unglaublich viel Fachwissen. Wirkliches Fachwissen, das sie nicht aus Artikeln mit Überschriften wie zum Beispiel „Schlank wie nie, Dank Bulimie“ hat. Sandra ist ausgebildete Oecotrophologin. Yepp, die Schreibweise musste ich erst mal googlen.

Was ich aber Dank Sandra nie wieder googlen werde: Tipps zum Abnehmen. Schon bei unseren ersten Gesprächen, hat sie mir meine Euphorie für Low-Carb, Slow-Carb und No-Carb genommen. Wie? Indem wir einfach mal geschaut haben, was es wirklich gebracht hat. Also nicht in den Monaten, in denen ich es gemacht habe, denn da waren die Ergebnisse gut. Nein, so langfristig.

Will ich mein Leben lang einem Ernährungsplan folgen? Will ich mich schlecht fühlen, wenn ich mir mal außerhalb des erlaubten Cheat-Days, an dem man alles essen darf, `ne Pizza schmecken lasse? Will ich mich überhaupt so sehr mit Essen beschäftigen und mir von der Nahrungsmittel-zusammensetzung meine Laune und somit mein ganzes Leben diktieren lassen? Nein, mein nackter Körper zeigt schonungslos ehrlich, was ich meinem Körper all die Jahre angetan habe.

Nein. Ich möchte langsam dahin gelangen, dass sich mein Bauchgefühl wieder zu Wort meldet und mich spüren lässt, ob ich grad esse, weil ich Hunger habe, oder ob ich fresse, weil ich mit der Welt und mir überfordert bin. Kohlenhydrate sind völlig OK und 2.300kcal am Tag bei meiner Größe und meinem Gewicht top, um abzunehmen.

Auf meinem Instagram-Profil poste ich ja nicht nur dies, das und jenes aus meinem Leben, sondern auch immer mal wieder, was ich so den ganzen Tag über esse. Meist, wenn es besonders hübsch aussieht. Heute habe ich nichts gepostet. Nicht, weil es nicht hübsch aussah, viel mehr habe ich den Tag über nichts gegessen.

Aber nicht mit dem Vorsatz, zu fasten. Nein, da ich gestern viel zu viel gegessen habe, hatte ich schlichtweg gar keinen Bedarf, da noch was nachzulegen. Mein Magen war noch gut damit beschäftigt, mit der Masse an Nahrung von gestern irgendwie klar zu kommen. Dass ich gestern nichts bei Instagram gepostet habe, lag aber wirklich daran, dass es nicht sonderlich schön aussah.

Sich heimlich `ne komplette Tafel Schokolade, 6 (kleine) Becher Mascarpone-Creme-Nachtisch und 5 Hände voll Kürbiskerne reinzupfeiffen, bevor es dann mit Brezeln, Pizza, Eis und Plätzchen weitergeht, sieht leider wirklich nicht besonders schön aus. Hm, vielleicht sollte ich aber genau das trotzdem in Zukunft auch fotografieren.

Doch, darüber muss ich heute mal nachdenken. Vielleicht wirklich keine schlechte Idee. So wüßte ich anschließend, wenn ich meinen Instagram-Account checke, wenigstens, was ich da alles in mich reingestopft habe.

Aber für heute bin ich einfach glücklich, dass der Schmerz, der mich die halbe Nacht hat wach wiegen lassen, weg ist. Ja, dass ich wieder frei atmen kann und mein Magen nicht mehr so spannt, dass ich mich kaum rühren kann. Und so war das wohl der 1. Fasten-Tag in meinem Leben, um den mich mein Bauchgefühl gebeten hat. Ein tolles Gefühl.

Schlaft später schön, ihr Lieben. Ich mummle mich nun auch mit meinem Dauer-Ohrwurm ins Bett, es gibt doch nicht schöneres, als mit seinem besten Freund im Ohr einzuschlafen.

Eure Jana

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7 Kommentare

  1. Liebe Jana
    Ich finde es bewundernswert, wie offen du mit der Krankheit umgehst. Du berichtest nicht nur von deinen schönen Tagen, sondern auch schonungslos darüber, wenn etwas nicht so gut läuft.

    Alles alles Liebe , viel Kraft und schöne Festtage
    🙂

  2. Hallo , Ich habe heute deine Seite gefunden . Finde es toll , das du so offen sprichst .

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