Ich habe in den vergangenen Tagen einige Blogeinträge angefangen und irgendwann, meist so nach dem 6 oder 7 Satz, kamen die Zweifel. Also nicht nur die absolut berechtigten Zweifel, ob die Kommas, die ich mal wieder eher nach Zufallsprinzip gestreut habe, so stimmen könnten. Vielmehr die Verunsicherung, ob diese Zeilen es überhaupt verdient hatten, von euch gelesen zu werden. 

Ich habe, nach Euren überwältigenden Reaktionen auf den Blogstart, schreckliche Angst, Euch jetzt zu enttäuschen. Es geht mir hier gar nicht darum, dass wir immer einer Meinung sein müssen. Bin ich mit Batomae ja auch nicht, das gehört in einer Freundschaft dazu. Ich finde es sogar spannend, wenn Diskussionen entstehen, wenn ihr andere Blickwinkel habt oder mir durch Fragen und Unverständnis zeigt, dass ich zu feige war, die Themen wirklich beim Namen zu nennen.

Gut, gehen wir also dahin, wo es richtig weh tut. Wißt ihr, wovor ich mich ganz tief drinnen wohl am meisten fürchte? – Egal zu sein. Ich fürchte, dass ihr einfach weiterscrollt und meine Beiträge ohne Beachtung im Nirvana eures Newsfeeds verschwinden. Ohne eure Kommentare, Herzchen oder Likes. Irgendwie hat mein Handeln, schon seit ich denken kann, seinen Wert tatsächlich erst durch die Reaktionen anderer erhalten.

Im Sport war ich eine Niete.

Im Sport war ich eine Niete, nur im Bodenturnen ein „Ass“. Zumindest, wenn ich meiner uralten Nachbarin glauben durfte. Jeden Sonntag saß sie gemütlich am Kaffeetisch im Garten nebenan und ich habe meine Choreografie so lange wiederholt, bis sie endlich zu mir rübergeschaut hat. Übung macht jedoch nicht nur den Meister, sondern auch Muskelkater. Da sie manchmal aber echt stundenlang einfach nur damit beschäftigt war, ihre Krümel vom linken zum rechten Tellerrand zu schieben, bin ich irgendwann direkt im finalen Spagat sitzen geblieben. Schaute sie dann endlich rüber, musste ich im entscheidenden Moment nur noch die „Tadaaa-Handbewegung“ ausführen und meine Show hatte ihren Höhepunkt erreicht. Sie applaudierte, ich war ihr Ass und in Gedanken schon für Olympia angemeldet. Anschließend gab’s dann auch für mich Kuchen. Viel Kuchen. Zwei Stücke Krümel-Kuchen mit `nem ordentlichen Schlag Sahne. Yepp, nicht nur meine Bodenturnkarriere war damit ziemlich schnell gegessen.

Auch wenn uns Kilometer trennen, es ist so leicht.

Beim Veröffentlichen dieses Beitrags werde ich jetzt voller Inbrunst „Tadaaa“ rufen – zumindest in Gedanken – und dann mal wieder bei Facebook & Insta gucken. Einfach, um ein paar Likes und Herzchen zu verschenken. Ja, um meinen Freunden zu zeigen, dass ich sie, obwohl uns so viele Kilometer trennen, trotzdem im Blick habe. Durch einen simplen Klick kann ich ihnen zeigen, dass ich bewundere, wie sie ihren Alltag meistern, dass ich Ihnen den erholsamen Urlaub von Herzen gönne, mich über ihre Erfolge freue und stolz bin. Ja, dass jeder von ihnen in meinen Augen ein Ass ist.

Vielleicht sollten wir alle viel weniger zweifeln und stattdessen viel mehr feiern – uns selbst und andere. Tadaaa.

Eure Jana

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12 Kommentare

  1. Dominique Maue Antworten

    Ich wünsche dir, dass du bald wirklich stolz auf dich sein kannst, dann kann es dir nämlich ganz egal sein, wie viele Likes und Kommentare sich ansammeln, denn das wichtige ist, dass du dir nicht egal bist. Ich kenne das Gefühl und ich hasse es, von Reaktionen anderer abhängig zu sein, aber wir werden wachsen und dann brauchen wir das gar nicht mehr so dringend.

  2. DU-BIST-NICHT-EGAL!

    Ja, das musste ich jetzt in Großbuchstaben schreiben!
    Vielleicht bekommt man nicht immer alles sofort mit. Auf FB bekomme ich gerade herzlichst wenig mit. Ich bin aber auch bedeutend seltener online. Und solche Phasen haben doch viele. Es gibt also durchaus auch andere Gründe, weswegen vielleicht mal keine Reaktionen kommen könnten. Einfach immer schön im Hinterkopf behalten. 😉

    Am liebsten würde ich noch ganz viel dazu schreiben, aber ich belasse es mal dabei (ja, auch ich kenne gewisse Verunsicherungen), denn das Wichtigste, von dem, was ich Dir sagen kann, steht bereits ganz am Anfang:

    Du bist nicht egal!

  3. Weißt was das tolle ist? Wenn man dies ließt ,taucht in meinem Köpfen eine kleine lockige Jana auf und ich höre es laut dieses Tadaaaaa. Du wirst genau deshalb nicht in Vergessenheit geraten. Erstmals wegen deinem tollen Buch und vitaölem wegen deinem unheimlichen mut dich zu zeigen, was deine Vergangenheit aus dir gemacht hat. Ich freue mich jedes mal aufs neue Beiträge.. Blogs oder Videos zu sehen. Das holt mich aus meinem Alltag und ich freue mich erst recht über deine Likes oder wenn du auf meine Nachrichten reagierst. Du könntest auch Größenwahnsinnig werden und sagen pfff ich antworte hier auf nichts. Doch das tust du. Nimmst dir Zeit für deine Mädchen. Das macht dich unvergessen….

  4. Ach Jana….du bist so weit weg davon, egal zu sein wie die Sonne von der Erde… ehrlich….du hast so viele Menschen durch deinen Mut und deine Ehrlichkeit berührt, denen wirst du sicher nicht egal…sicher werden dich immer wieder Menschen auf deinem Weg verlassen, aber die, die dir am Herzen liegen, die werden dich wahrnehmen….auch wenn sie mal nicht klicken und Herzchen schicken….da bin ich mir sehr sicher

  5. Nadine Hüttner Antworten

    Hallo liebe Jana, so wie dir ging es mir auch als ich eure Konzertlesung letztes Jahr in Hamburg besucht habe, und dir mein Buch zum unterschreiben gegeben habe und ich sagte für Nadine und du ja wie auf Facebook.Ich war so überrascht ? das du mich „kanntest“ bzw. wustest wer ich bin? Das fand ich so toll. Ich wuste auch erst nicht ob ich dich ansprechen sollte oder nicht. Denn seitdem ich Ca. 20Kg in den letzten Jahren zugenommen habe ist mein Selbstbewusstsein tief in den Keller gesunken? was ich überhaupt nicht mag ich war mal viel taffer drauf als ich noch schlanker war. Lg Nadine

  6. Tanja Bukowski Antworten

    Das mit der Angst egal zu sein kenn ich….im Moment Zweifel ich nur ob das der richtige Weg ist den ich jetzt gegangen bin. Der Zusammenzufassen usw seitdem gibts nur Probleme. Und seitdem ständig Fressattacken….
    Es ist schwer nicht zu zweifeln….aber feiern tue ich…..DICH ?

  7. Ich freue mich einfach, wieder von dir zu lesen. 🙂 Ist schon Wahnsinn, wie abhängig man ist von den Likes und so, das geht mir nicht anders. Ich bin über die Jahre hinweg deutlich selbstbewusster geworden, aber Social Media gab es in meiner Teenie-Zeit noch nicht… und heute frage ich mich auch, warum bekommt das Foto / der Beitrag nun deutlich weniger Likes als das / der andere, was ich gestern gepostet hab? Ich denke, wenn man so persönliche Dinge postet wie du, ist das auch noch viel schwerer, das nicht persönlich zu nehmen. Aber ich glaube, das Wichtigste ist, dass du am Ball bleibst… mein eigener Blog ist ziemlich schnell wieder eingeschlafen, weil ich zu selten gepostet habe – und eine Seite, auf der nix passiert, gerät leider schnell wieder in Vergessenheit. Ob die Posts nun banal sind oder relevant, ist glaub ich zweitrangig… aber ich wollte auch immer nur ganz tolle Posts schreiben und habs vor diesem Anspruch dann oft ganz sein lassen. Perfektionismus at its best, story of my life. XD

  8. Niemand ist egal, du Liebe! 🙂

    Aber ich kenne das … aus einer ganz seltsamen Perspektive. Was hatte ich immer an Massen von Likes und Kommentaren früher für meine JenniCam-Konzertfotos! Und dann habe ich mich irgendwann mit derselben Leidenschaft und mit ganz viel Herzblut auf meinen Kinderbuchblog „Lese(t)räumchen“ gestürzt – und stelle immer wieder fest, dass Bilder halt doch mehr sagen als tausend Worte. Dort kann ich froh sein, wenn mal ein paar Leute reinklicken. Ein paar Likes mögen mal drin sein, aber dass jemand kommentiert (und dann noch auf dem Blog, nicht auf fb oder Insta), ist die absolute Ausnahme. Tatsächlich haben ein paar tolle Autoren schon kommentiert, aber ansonsten eher nur wenige Leser.

    Manchmal betrübt mich das, aber eigentlich macht mir das Schreiben und Gestalten für den Blog an sich doch schon so viel Spaß, dass das allein schon Freude genug ist. Was bin ich dann noch abhängig davon, ob das anderen auch gefällt! 🙂

    Tadaaaa! :*

  9. Egal sein- gibt es nicht!!!
    Wenn ich deine Zeilen lesen, fällt mir sofort das Lied ein, was mich heute den ganzen Tag begleitet hat. Cool mit mir selbst von Culcha Candela. Ja, genau auf das Lied sollten wir alle mal hören. Wir vergessen so schnell, uns selbst. Schnell ist wer anders gefeiert, doch man selbst bleibt auf der Strecke. Wann sind wir stolz auf einem selbst? Ohne das gleich ein schlechtes Gewissen hoch kommt oder man denk okay das hätte ich besser gekonnt. Ich trink heute einen auf mich selbst (auch wenn es Wasser ist), da ich heute mein Bestes geben habe. Morgen ist ein neuer Tag. Eine neue Chance sein möglichstes zu geben. Wir müssen lernen uns selbst als wichtig und besonders zu sehen. Jeden Tag ein Stücken mehr, wie ein leckerer Krümmel Kuchen. (PS: Auch meine Kommas sind frei gewählt ?? alle Deutsch Freaks können sich jetzt austoben ??)

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  12. Andrea Wilmsen Antworten

    Egal sein
    Vergessen werden
    Klein sein
    Ungeliebt sein
    Nicht wert sein
    Unbedeutend sein
    Eine Nummer in einer Liste, nichts besonderes halt….

    Ist das nicht für jeden von uns eine grauenhafte Vorstellung ???
    Vor allem für Menschen die durch ihre instabile emotionale Lage sich selbst das Gefühl der Wertschätzung, dass Selbstwertgefühl nicht geben können.
    Manchmal halte ich Menschen ,die sich scheinbar für das Non plus ultra halten , ja für ziemlich arrogant und dumm, aber haben sie nicht zu mindest in diesem Punkt ein leichteres Leben ?
    Oder können die ihre Ängste nur besser verstecken, so dass sie nicht, wie wir hier, ihre Gefühle mit Essen betäuben und den Wall um uns herum als Schutzpanzer benötigen ?
    Als Schutz vorm vergessen und verletzt werden ???

    Wie du siehst ich hab auch kein Rechtschreibprogramm für Kommas, aber ich verteil sie ab und an ??

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