Ihr kennt mich, ich hab vor so vielen Dingen eine Heidenangst. Bis vor ein paar Jahren war meine größte Angst, vor anderen Menschen zu sprechen. Das fing schon in der Schule an. 

Wenn wir in Mathe reihum Aufgaben aus dem Buch lösen sollten, habe ich abgezählt, wann ich dran komme, und schon mal leise im Kopf vorgerechnet. In Mathe war ich richtig schlecht und jeder, der mich schon mal bei uns Merch hat Kopfrechnen sehen, kann bestätigen, dass sich das nicht geändert hat. Meine beste Freundin musste immer nachrechnen, ob meine Lösung stimmt. In 75% der Fälle stimmte sie nicht. Dass 75% `ne sehr hohe Wahrscheinlichkeit für `nen hochroten Kopf bedeutet, weiß sogar ich.

Aber nicht nur Rechnen und vor anderen sprechen war für mich der blanke Horror. Frei zu sprechen allein hat schon gereicht. Privat kann ich quatschen ohne Ende, fragt mal Batomae dem ich oft stundenlang… und ich meine wirklich stundenlang… ein Ohr abkaue. Aber auch ums frei sprechen vor Fremden kam ich irgendwann nicht mehr herum. Augen auf bei der Berufswahl.

Als ich, noch während meines Studiums, 2006 durch einen glücklichen Zufall Musikmanagerin wurde, hatte ich nämlich nicht auf dem Schirm, dass dazu auch Meetings gehören. Meetings mit anderen Menschen. Fremden Menschen. Menschen, die weiß Gott mehr Plan von dem Business hatten als ich. Mathe habe ich nie mehr lieben gelernt, Meetings schon.

Von Steffi habe ich Euch ja schon erzählt und mit unserem 1. Meeting änderte sich nicht nur meine Einstellung zu Majorlabels. Ich war der festen Überzeugung, dass in den großen Plattenfirmen nur eiskalte, berechnende, herzlose, arrogante und oberflächliche Menschen arbeiten. So kam ich also am 03. Dezember 2013 mit meiner Band in den schicken Meetingraum.

Um genau zu sein: Mit meiner Band, meinen 170kg Körpergewicht, meiner schlecht sitzenden Jeans und meinem Stresspickel, der sich über Nacht mitten auf der Backe sein Plätzchen gesucht hatte. Na, herzlichen Glückwunsch. Wir waren zu viert, das Universal Team zu zwölft. Und ja, es war nicht anders zu erwarten, sie sahen alle unverschämt gut aus.

Noch während ich mit meinen Leuten auf der einen Seite des großen Tisches Platz nahm, legte uns jeder einzelne der „Gegnerischen Mannschaft“ erstmal seine Visitenkarte vor. Ich überlegte kurz, ob ich zwei „Head of“ gegen einen „Senior“ eintauschen könnte, und ob es dafür ein buntes Panini Sammelalbum gibt, als ich sehr unsanft aus meinen Gedanken gerissen wurde.

„Stell’ Du Dich doch einfach mal vor“ sagte der Chef der Truppe plötzlich an mich gerichtet und lächelte überraschend freundlich. Für eine vorgetäuschte Ohnmacht war ich zu perplex und so stellte ich mich so vor, wie ich es für die erste Stunde eines jeden Seminars in der Uni auswendig gelernt hatte: Ausführlich… sehr ausführlich. Als ich meinen 2 minütigen Monolog dann mit den Namen meiner beiden Hunde (Ronja & Turtle) und meinem Alter beendete, blickte ich in ziemlich verwirrte Gesichter.

Steffi war inzwischen aufgerückt und saß nun neben mir. Als sie kurz in die Runde blickte, ihren vollständigen Namen und nur ihr Aufgabenfeld „Produkt-Management“ sagte, wäre ich am liebsten im Erdboden versunken. 10 Sekunden, 1 Satz, fertig.

Als Friedrich weitermachen wollte, fiel sie ihm doch noch mal ins Wort und ergänzte mit einem strahlenden Lächeln Alter, Familienstand und Hobbys. Ab diesem Moment war das Eis gebrochen, alle lachten und so wurde das wohl das lustigste Kick-Off-Meeting, das je im 7. OG stattgefunden hat.

Seit diesem Tag habe ich keine Angst mehr vor Meetings und, ja, ich liebe mein Universal Team. Auch wenn es die Band von damals nicht mehr gibt, sind dort wertvolle Freundschaften entstanden. Meine Kuchen-Bande gebe ich nicht mehr her und das nicht nur wegen der großartigen Künstler, die ich dort kennenlernen darf.

Jetzt gleich geht’s für mich aber nicht zur Stralauer Allee, sondern nach Essen. Dort habe ich ein Meeting mit dem BKK Landesverband Nordwest. Klingt im 1. Moment vielleicht nicht so spannend wie ein Plattenlabel, aber auch hier durfte ich meine Vorurteile gegenüber Krankenkassen über Bord werfen und Dank der BKK gehe ich jetzt sogar wieder mit einem wohligen Bauchgefühl zur Schule.

Aber das erzähle ich Euch ein anders Mal in Ruhe, denn jetzt muss ich mich schminken. Viele Dinge ändern sich, dass ich fiese Pickel mitten auf der Backe kaschieren muss, leider nicht.

Habt einen schönen Tag,
Eure Jana

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