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Freundschaft

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Ich lege alles auf die Goldwaage. Wirklich. Jedes Wort, die kleinste Geste und sogar Emojis in WhatsApp Nachrichten. Ganz besonders dann, wenn sie nicht vorhanden sind. Im ernst, wenn ich gewohnt bin, dass wir mit vielen Emojis schreiben und diese dann plötzlich ausbleiben, vermute ich gleich das Schlimmste und stelle von jetzt auf gleich alles in Frage.

Könntest du durch meine Augen seh’n.
Würdest du wie ich auch zu dir steh’n.
Jeden deiner Fehler lieben, jedes Detail an dir ist heilig.
Denn genau so wie du bist, bist du unvergleichlich. (Batomae)

Ich bin nicht gut darin, Komplimente anzunehmen. Sie beschämen mich, bringen mich in Verlegenheit und lösen einen sofortigen Fluchtreflex in mir aus. Und hätte mein bester Freund Batomae mir diese Worte einfach so gesagt… hm, ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte. Vielleicht hätte ich einfach eine spontane Ohnmacht vorgetäuscht. Ich weiß es wirklich nicht.

(…) Jule und ich legen im selben Moment die Stifte hin, als sich unsere Blicke treffen. Jule sieht so erleichtert aus, wie ich mich fühle. Das war sie, die letzte Abiturprüfung. Wir stapeln annähernd synchron unsere Unterlagen und gehen zeitgleich zum Pult. Herr Schulte, unser alter Lateinlehrer mit der lustigen Einsteinfrisur, der uns schon seit der fünften Klasse nur im Doppelpack kennt und die Prüfung beaufsichtigt hat, strahlt uns an, während er unsere Prüfungsbögen entgegennimmt.

Ich habe einen Anruf bekommen, der mich ziemlich aus der Bahn geworfen hat. Die Vertreterin einer Schönheitsklinik – wie ich recherchiert habe, sogar einer sehr renommierten Schönheitsklinik – stellte sich kurz vor und erklärte dann, dass ganz allein sie für die Öffentlichkeitsarbeit ihrer Klinik „verantwortlich zeichne“. Ja, das war tatsächlich ihre Wortwahl. Sie würde „meinen beeindruckenden Weg der Transformation“ – ja, auch das ist ein O-Ton – schon eine Weile verfolgen, da sie mit mehreren Patientinnen über mein Buch ins Gespräch gekommen sei.