Ihr Lieben, 
obwohl ich hier grad entspannt auf meinem Balkon sitze, die Kaffeemaschine nebenan die typisch glucksenden Geräusche von sich gibt und die Sonne nochmal meine Nase kitzelt, bevor sie gleich hinter der Hauswand verschwindet, kann ich mich nur all zu gut an den Klos im Hals von damals erinnern. 

»Du bist also wirklich so unschuldig, wie alle behaupten?«, waren ihre Worte, die mich nicht mal drei Sekunden später innerlich kochen ließen, aber ich bemühte mich, mir nichts anmerken zu lassen. 

»Schon gut, ich find dich mega. Wirklich! Ohne Scheiß, ich hab dich doch total lieb, aber wir dachten echt alle, dass diese Unschuldsnummer nur so ’ne Masche von dir sei. Wie alt bist du jetzt?«, fuhr sie fort.

Dieser Gedanke, dass es da wieder Menschen gab, die hinter meinem Rücken über mich redeten, sich das Maul darüber zerrissen, dass ich nicht normal war, und mein Verhalten dazu auch noch als Masche bezeichneten, ließ meinen Puls rasen.

Jana Crämer – Das Mädchen aus der 1. Reihe

Diesen schweren Klos voller Traurigkeit, der mir damals jegliche Freude genommen hat und den ich selbst viele, viele Jahre später, als ich 2015 meine Geschichte aufgeschrieben habe, nicht runterschlucken konnte. 

Jetzt, die Sonne hat sich inzwischen hinter einer Wolke verkrochen, trinke ich einen heißen Schluck Kaffee, schreibe diesen Blogbeitrag für Euch und verstecke ich mich nicht mehr. Ich schreibe hier und in meinen Büchern über mein Leben, nehme Euch bei Insta mit durch den Tag, bin bei YouTube und poste TikToks, denn es gibt absolut nichts, wofür ich mich schämen müsste. Nur, weil ich noch nie eine Beziehung hatte, bin ich doch kein schlechter Mensch. 

Schlecht hingegen wird mir eher bei dem Gedanken, wie viel ich früher gelogen und mich dadurch selbst verleugnet habe, nur um den Erwartungen der anderen gerecht zu werden. Genau darüber spreche ich mit meinem besten Freund Batomae in unserer aktuellen Podcastfolge „Wir sind so!“ Folge 1: UNGEKÜSST. 

Bitte nicht falsch verstehen. Ich finde es toll, wenn sich jemand verliebt und ich wünsche jeder Beziehung von Herzen nur das Beste… Wahnsinn, wie sehr beim Schreiben dieser Zeilen mein Bauch vor Glück und Vorfreude kribbelt, weil sich zwei liebe Freunde erst vor wenigen Tagen verlobt haben.
Ja, ich kann mich wie Bolle über liebende Menschen freuen, aber trotzdem wünsche ich mir, dass mein Leben so bleibt wie es ist, und ich wünsche mir ebenso Akzeptanz für diese Lebenseinstellung, ja, für meine Situation, mich nicht zu verlieben. 

Ich schreibe ganz bewusst „meine Situation“, weil ich es natürlich nicht ausschließen kann, dass es mal passiert. Ich wehre mich nicht aktiv dagegen, aber ich sehne es auch nicht herbei. Ich glaube das Video (über diesem Abschnitt) macht mehr als deutlich, wie fremd mir diese Gefühle tatsächlich sind.

Auch wenn ich persönlich kein Fan davon bin, mich zu labeln, fand ich den Test irgendwie lustig und wem es gut tut, sich zu labeln, der soll das bitte tun. Denn genau das ist ja das Schöne am Leben: Jeder kann seins ganz genau so gestalten, wie er es sich wünscht. 

Fühlt Euch gedrückt, 
Eure Jana

P.S.: Meinen Debütroman, aus dem ich oben eine kleine Stelle zitiert habe, gibt’s grad auf Instagram @jana.craemer zu gewinnen. 

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